München - Der Wasserrohrbruch in der Sonnenstraße hat in vielen Geschäften großen Schaden angerichtet. Besonders schlimm traf es einen Clubbetreiber: Sein erst kürzlich renoviertes Lokal wurde komplett zerstört.

© Kurzendörfer
Auch Heidi Scharls Salon „Conti Coiffeur“ hat es erwischt. Sie betreibt ihn seit 30 Jahren.
Um zehn Uhr sollte die erste Kundin zur Maniküre kommen. Doch als Isabel Berk am Montagmorgen ihren Laden an der Sonnenstraße 25 erreicht, steht dort nicht ihre Kundin, sondern die Feuerwehr. Berks kompletter Laden steht unter Wasser. „Als ich das gesehen habe, musste ich weinen“, erzählt die 34-Jährige wenige Stunden später.
Erst Anfang Januar hat die junge Frau ihren Kosmetiksalon eröffnet. Jahrelang hatte sie gespart, jahrelang keinen Urlaub gemacht, um sich den Traum vom eigenen Laden zu erfüllen. Nur vier Wochen später steht sie vor ihrem zerstörten Geschäft. „Wir hatten noch nicht mal eine Eröffnungsfeier“, sagt sie und ihre Augen werden feucht.
Plötzlich fällt ihm etwas ein. Das Auto steht in der Tiefgarage, ein Stockwerk tiefer. Ob es vom Wasser verschont wurde? Peyrovi weiß es nicht. Betritt man die Tiefgarage des Gebäudes, kann man es sich jedoch kaum vorstellen. Nachdem die Feuerwehr das Wasser abgepumpt hat, herrscht eine gespenstische Stille, die nur vom Geräusch des Wassers unterbrochen wird, das noch aus den Fugen von der Decke tropft. Die Autos stehen – als wäre nichts gewesen – auf ihren Plätzen und sehen unversehrt aus. Doch in der Nacht stand hier das Wasser noch meterhoch.
Als er alles umorganisiert hat, inspiziert Ebner die Geschäftsräume. In den oberen Zimmern ist nichts passiert – dafür sieht es im Untergeschoss umso schlimmer aus. Der Aufzug ist nicht benutzbar, aber auch auf der Treppe, die zum Keller führt, ist nach wenigen Stufen Schluss. Denn in den Kellerräumen steht das Wasser immer noch mehr als einen Meter hoch. „Wir haben hier unten unser Archiv, dort lagern die Jahresabschlüsse und die Kursteilnehmerlisten“, erklärt Ebner. Auch der Technikraum liegt im Untergeschoss. Laptops, Beamer, Kameras, DVD-Player – beim Blick in den Keller kann Ebner sich nicht vorstellen, dass auch nur ein einziges Teil den Rohrbruch unbeschadet überstanden hat.
Ein Mann vom Radio ist es, der Ken Koch am Montagmorgen aus dem Schlaf reißt. Ob er ein Interview geben wolle, zu der Überschwemmung vor seinem Club. Zu diesem Zeitpunkt weiß der 47-Jährige noch gar nicht, was geschehen ist. Als man es ihm erzählt, macht er sich sofort auf den Weg in die Innenstadt. „Ich habe gehofft, dass bei uns nichts ist“, erzählt der Besitzer des „NY“-Clubs an der Sonnenstraße 25. Das Bangen war berechtigt: Kochs Club ist zerstört. Totalschaden. „Da unten sieht’s aus wie nach ’nem Tsunami“, sagt er und zeigt zum Treppenabgang.
Samstagnacht, nur einen Abend zuvor, feierte Koch dort eine Party mit 600 Gästen. „Ich darf gar nicht daran denken, was gewesen wäre, wäre es dann passiert. Grauenhaft!“ So richtig glauben kann er das alles noch nicht. Erst im November hat er den Club komplett umbauen lassen. 80 000 Euro hat das gekostet – und nun war alles umsonst. Er ringt sich einen Witz ab: „Das einzige was ich vielleicht noch retten kann, ist die Diskokugel an der Decke.“
Seine Nachbarin Martina Malik kann es gar nicht fassen, als sie den von Wasser und Schlamm durchweichten Teppichboden ihres Ladens sieht. „Das ist ja Wahnsinn“, sagt die 53-Jährige. Seit 1983 gibt es den „Orient Basar“. Malik verkauft dort indischen Schmuck und Saris. Viele der kostbaren Kleider, die bis zu 150 Euro kosten, sind verdreckt. „Da“, ächzt Malik und zieht einen besonders verschmutzten Sari hervor, „den habe ich erst neu gekauft.“ Ihr Kellerlager mit sämtlichen Finanzakten und weiterer Ware hat es noch schlimmer erwischt als den Laden: Es ist vollkommen überschwemmt.
Janina Ventker und Natalie Simon
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