Superbanner

Spektakuläres Gerichtsurteil ums Sorgerecht

Gericht nimmt Mutter den Sohn (10) weg 

München - Das Münchner Familiengericht hat einer Mutter das Sorgerecht für ihren Sohn (10) entzogen, weil der Vater das Kind nicht sehen durfte.

Noch im Gericht wurde dem Vater das Kind übergeben – das gar nicht von seiner Mutter wegziehen wollte. „Das ist wirklich ein Extremfall“, sagt die Sprecherin des Amtsgerichts, Ingrid Kaps. Vor dem Urteil war das Gericht mit mehreren Versuchen gescheitert, die Mutter zum Umdenken zu bewegen. Vergeblich.

2007 hatte sich das Paar getrennt. Sie behielten das gemeinsame Sorgerecht und trafen eine Vereinbarung, wie beide Kontakt zu ihrem Sohn haben könnten. In eineinhalb Jahren aber durfte der Vater das Kind nur fünf Mal sehen. Er wandte sich ans Familiengericht. Dieses schaltete eine Beratungsstelle ein, startete ein Mediationsverfahren und setzte eine Umgangspflegerin ein, um der Mutter ihre Ängste zu nehmen. Schließlich drohte das Gericht mit Zwangsgeld. Ohne Erfolg. Im Herbst diesen Jahres meldete die Mutter das Kind von seiner Schule ab, ohne dass der Vater damit einverstanden war. Dies brachte für das Gericht offenbar das Fass zum Überlaufen.

In allen Sorgerechtsstreitigkeiten, erklärt Richterin Ingrid Kaps, steht „über allem das Kindeswohl. Die Eltern müssen ihre eigenen Interessen und ihre Verletzungen hinten an stellen.“ Denn das Kind soll nicht unter eine Trennung leiden – und beide Elternteile behalten dürfen.

„So krass“ wie bei dem aktuellen Urteil ist es laut Kaps aber selten. Viele Paare fänden von sich aus eine Regelung. Üblich sei es etwa, dass ein Vater sein Kind alle zwei Wochen sehen kann, wenn es bei der Mutter lebt. In den Ferien könne es zum Beispiel so geregelt werden, dass das Kind die erste Woche der Osterferien bei der Mutter und die zweite beim Vater verbringt.

Wenn sich die Eltern das Sorgerecht teilen, müssen sie sich bei wichtigen Entscheidungen absprechen. „Die Mutter muss zum Beispiel den Vater fragen, wenn ein Arzt eine OP empfiehlt“, sagt Kaps. „Meistens kommt da ein Ok. Aber es kann ja passieren, dass ein Elternteil das Kind auf eine Montessori-Schule schicken will, das andere aber dagegen ist.“ Strafbar werde es, wenn ein Elternteil sich mit dem Kind absetzt, eine andere Stadt oder gar ins Ausland.

Das Gericht kann Entscheidungskompetenzen einem Elternteil geben, sie im Extremfall aber auch ganz dem Jugendamt oder beispielsweise den Großeltern übertragen. Im aktuellen Fall sprach die Richterin dem Vater das Recht zu, den Wohnort des Kindes zu bestimmen, in Schulfragen zu entscheiden, ebenso wie in Gesunheitsdingen. Noch während der Verhandlung wurde ihm sein Sohn übergeben.

Und dies, obwohl das Kind überhaupt nicht zum Vater wollte. Laut Anwältin der Mutter habe der Bub nur wenige Minuten vor dem Urteil der Richterin gesagt, dass er auf keinen Fall zum Vater ziehen wolle. In Anhörungen habe er zuvor mehrfach erklärt, er wolle nur dann zum Vater, wenn dieser nicht mehr schlecht über die Mutter rede.

Das Gericht befand aber, diese Haltung resultiere aus einem von der Mutter geschaffenen Loyalitätskonflikt. Der Junge habe seine Mutter nicht enttäuschen wollen. Die Richterin hatte Stellungnahmen von der Umgangspflegerin, vom Jugendamt und von einem weiteren Sachverständigen eingeholt. Alle seien zu dem Ergebnis gekommen, so Kaps, dass zwischen Vater und Sohn eine vertrauensvolle Verbindung bestehe.

Für den Vater entschied das Gericht auch, weil es bei ihm keine Erziehungsdefizite entdecken konnte und weil er dem Sohn den Umgang mit der Mutter erlauben will. Es sei für das Kind leichter zu verkraften, wenn seine Hauptbezugsperson wechselt, als wenn es eine „fortdauernde Traumatisierung durch den Verlust eines Elternteils“ erleide.

Kolja Kröger

zurück zur Übersicht: Stadt München

Kommentare

Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.

Karte München StadtMünchen NordMünchen OstMünchen WestMünchen ZentrumMünchen Südzurück zur Region

Wetter für München und Bayern

Berichte im Fokus

  • Meistgelesene Artikel
  • Meistkommentierte
  • Themen

Münchner Bergführer stirbt am Everest

Mount Everest  - Er hatte sich den Spitznamen „Geheimnis-Kletterer“ erstiegen, doch jetzt ist der Münchner Ralf A. (41) tödlich auf dem Mount Everest verunglückt.Mehr...

143 Festnahmen rund ums CL-Finale

München - Das Champions-League-Finale bescherte auch der Münchner Polizei einen ereignisreichen Abend. Insgesamt 143 Menschen wurden festgenommen.Mehr...

Wer für Feuerwehreinsätze zahlen muss

München - Egal, ob es brennt, nach einem Unfall Öl ausläuft oder Nachbars Katze sich im Baum festsitzt: Die Münchner Berufsfeuerwehr hilft. Doch nicht immer hilft sie kostenlos. Wofür muss der Bürger zahlen?Mehr...

Flucht aus dem Schlachthof: Polizist erschießt Stier

München - Ein ausgewachsener Stier ist am Mittwoch aus einem Münchner Schlachthof abgehauen. Das Tier rannte wild und unkontrolliert über das Gelände.Mehr...

Fan-Ansturm: Nachtflugverbot fällt

München - Zehntausende Fußball-Fans werden zum Champions-League-Finale erwartet. Darunter bis zu 25.000 Engländer. Die Polizei bereitet sich intensiv vor, der Flughafen kann den Ansturm nicht alleine bewältigen. Viele Fans werden darum über andere Wege anreisen. Zur Abreise wird das Nachtflugverbot aufgehoben.Mehr...

Kampfansage des FC Bayern: Ganze Stadt in Rot-Weiß

München - Vor dem „Finale dahoam“ startet der FC Bayern eine Kampagne, an der sich möglichst alle Münchner beteiligen sollen. Der Traum: Eine ganze Stadt in Rot-Weiß.Mehr...

EHC München

Alle Infos, Nachrichten und Spielberichte zum EHC München auf merkur-online.de.

EHC Red Bull München: Mit der Kraft des neuen Namens

Mit der Kraft des neuen Namens

München - Ganz zum Tagesgeschäft zurückgekehrt sind die Verantwortlichen des EHC noch nicht. Aber rund eine Woche nach der Rettung durch den Einstieg von Red Bull als Namensgeber und Hauptsponsor bastelt der DEL-Klub an seiner sportlichen Zukunft.Mehr...

Nachrichten aus dem Landkreis

Bequemlichkeit hat ihren festen Preis

Bequemlichkeit hat ihren festen Preis

Landkreis - Die Feuerwehr ist immer öfter „Mädchen für alles“. Ob Wasser im Keller oder Schmutz auf der Fahrbahn - die Feuerwehr wird’s schon richten. Doch was viele vor der Wahl des Notrufs nicht wissen: Diese Hilfe ist nicht immer umsonst.Mehr...

Volksfest: Sicherheitsmann verprügelt

Oberschleißheim - Auf dem Volksfest Oberschleißheim ist eine Rangelei so eskaliert, dass sieben Beteiligte auf einen Security-Mann losgingen.Mehr...

Nachrichten vom Flughafen München

Flughafen/Startbahn: Abstimmung

Braucht der Flughafen eine 3. Startbahn? Stimmen Sie mit ab!

München - In knapp vier Wochen stimmt München ab: Braucht der Flughafen eine dritte Startbahn? Bürger aus der Region dürfen am 17. Juni nicht mit abstimmen. Wir geben Ihnen Gelegenheit, Ihre Meinung bei unserem großen Online-Voting kundzutun!Mehr...

Aktuelle Videos

Videos werden geladen...0:00
Bild mit Ladehinweis

Weitere Informationen für dieses und andere Videos werden geladen...

Abspielen

Alle Videos

-cQsQSjKe1q6Y14uLo3ivuElQ2zsPqi5W8XyhmnDpmk.http://www.merkur-online.de/media/video/37063960011755456930

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper