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Sprengtrupp "fällt" Kasernen-Kamin

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Artikel: Sprengtrupp "fällt" Kasernen-Kamin

München - Er erinnerte an eine Welt des Krieges: Der Schornstein auf dem Gelände der Bogenhausener Prinz-Eugen-Kaserne. Gestern haben Experten den Kamin gesprengt – und so Platz gemacht für Familienwohnungen.

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Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).

Sprengmeister Edi Reisch bläst in sein Signalhorn. Ein langer Laut ertönt. Er signalisiert, dass an den Kontrollposten rund um den 41 Meter hohen Schornstein alles in Ordnung ist. Jetzt bläst Reisch zweimal kurz in sein Horn – die Sprengung kann beginnen. Reisch kurbelt an einem Generator und sagt: „Drei, zwei, eins, Sprengung“. Die 33 Sprengladungen mit ihren je 80 Gramm Dynamit zünden, ohne dabei großen Lärm zu machen. Binnen weniger Sekunden sinkt der Schornstein mit einem dumpfen Geräusch in den Schnee. Wie ein gefällter Baumstamm.

Und tatsächlich haben Reisch und seine drei Gehilfen den Schornstein im Grunde gefällt, wie Bauleiter Sascha Janke von der Firma B. Trinkl Gmbh erklärt: Am Mittwochnachmittag schlug ein Minibagger auf beiden Seiten des Schornsteins Keile in den Kamin. Am verbleibenden Steg brachten die Experten dann die Sprengladungen an, die – gleichzeitig gezündet – den Schornstein zum Umfallen bringen.

Es ist nicht irgendein Kamin, den die Firma B. Trinkl gestern Nachmittag sprengen ließ. Sondern das Symbol einer einst kriegerischen Welt: 1938 bauten die Nazis das Kesselhaus samt Schornstein, um ihre Nachrichtenkaserne auf dem Gelände an der Bogenhausener Cosimastraße zu heizen. Ende der 50er Jahre schlug die Bundeswehr hier auf und bildete in der Prinz-Eugen-Kaserne Pioniere aus. Der Ost-West-Konflikt erlaubte keine Entmilitarisierung des Geländes – bis der Eiserne Vorhang fiel. Seither gibt es nur noch zwei von einst acht Kasernen in München. Die Truppen, die an der Cosimastraße stationiert waren, rückten im März vergangenen Jahres ab.

Jetzt führt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Regiment. Sie lässt das Areal im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland räumen, der das Gelände bis Ende 2005 gehörte. Damit die Stadt München, die das Areal für 36 Millionen Euro kaufte, ein neues Wohnquartier bauen kann.

Denn wie berichtet soll auf dem rund 30 Hektar großen Areal – das entspricht der Fläche von 40 Fußballfeldern – eine Art Mini-Dorf entstehen. Mit einem Markplatz, um den sich Wohnungen für Familien und alte Menschen, eine Schule, ein Bürgerhaus, Kitas und Läden gruppieren. Die rund 1600 Wohnungen in Reihenhäusern, Flachbauten und Stadtvillen könnten in rund vier Jahren bezugsfertig sein: Am Mittwoch genehmigte der Stadtrat den Entwurf der Münchner Architekten Grüner, Schnell und Partner. Von der alten Kaserne bleiben dann nur die Schwimmhalle und der sogenannte Tauchtopf – ein Bassin, in dem die Pioniere Unterwasserarbeiten übten und in dem künftig Rettungsschwimmer trainieren.

Bettina Stuhlweißenburg

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