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Stadt gibt Kinder-Adressen an Uni-Klinik

322.06.10|München|München|
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Artikel: Stadt gibt Kinder-Adressen an Uni-Klinik

München - Die CSU spricht vom nächsten Datenschutz-Skandal. Rechtlich ist es womöglich nicht zu beanstanden, dass die Stadt Daten von Kindern weitergegeben hat - für eine Studie über Legasthenie.

Josef Schmid findet die Weitergabe vonKinder-Daten skandalös. kh

Die Weitergabe von Umschlägen mit Briefwählerandressen durch das Wahlamt ist noch nicht aufgeklärt, da steht das städtische Kreisverwaltungsreferat (KVR) schon wieder unter Beschuss. Die Rathaus-CSU spricht vom nächsten Datenschutzskandal. Offenbar hat das Einwohnermeldeamt die Adressen von Schulkindern weitergegeben - für eine Uni-Studie über Legasthenie.

Eine Haderner Mutter fiel im Januar 2008 aus allen Wolken, als ihre elfjährige Tochter mit einem Brief einer psychiatrischen Uni-Klinik zu ihr kam, der persönlich an das Schuldkind adressiert war. „Darin wurde meine Tochter zur Teilnahme an einer Studie aufgefordert, die sich der Erforschung der Lese- und Rechtschreibschwäche widmete“, sagte die Mutter der tz. Dabei sollte das Mädchen auch eine Speichelprobe abgeben. Hätte die Tochter sich nicht an die Mutter gewandt, hätte sie davon vielleicht nie erfahren.

„Ich hatte keine Ahnung von der Sache“, so die Mutter, die nicht zusätzlich angeschrieben worden war. Auch andere Kinder hätten den Brief bekommen, in dem es hieß, dass „Kinder mit Schwierigkeiten im Lesen der 3. und 4. Klasse“ an der Studie teilnehmen können. Das Mädchen ging zu dem Zweitpunkt allerdings schon in die fünfte Klasse des Gymnasiums.

Wie die Klinik an die Adressen kam? Im Anschreiben hieß es, dass „die Einwohnermeldestelle der Landeshauptstadt München“ die Daten weitergegeben habe. Die Mutter setzte alle ihr zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung: „Es hat mich damals zahlreiche Anrufe und Schreiben an den Bayerischen Datenschutzbeauftragten, das KVR, sogar eine Anfrage im Landtag, vor allem aber in der Klinik gekostet, um die Löschung unserer Daten zu erwirken.“

Was die Mutter beunruhigt: „Die Teilnahme an solchen Studien kann den Kindern später zum Nachteil gereichen.“ Arbeitgeber oder Versicherer könnten größtes Interesse an den Daten haben, den Kindern könnte somit eine berufliche Zukunft verbaut werden. Falls an einer Klinik nicht alle EDV-rechtlichen Sicherheitsaspekte regelmäßig geprüft und auch eingehalten würden, könnten solche Informationen in die Hände Dritter gelangen.

Der Fraktionschef der Rathaus-CSU Josef Schmid. ist empört: „Die Weitergabe der Kinderadressen ist ein Skandal, auch wenn er offenbar durch Gesetze gedeckt ist.“ Das KVR soll heute in der Vollversammlung des Stadtrates Aufklärung geben.

Johannes Welte

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