209.02.10|München|München|4
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München - Viele Wirte, so heißt es, sind spätestens mit einem Zelt auf dem Oktoberfest reich geworden. Die Stadt München indes ist um Bescheidenheit bemüht. Kaum zu glauben: Bei der Wiesn 2008 und 2009 zahlte sie drauf.

Ein Gaudium für die Gäste, nicht für die Stadt: Die macht bei der Wiesn ein Minus. Foto: dpa
Ganz anders die Stadt: Die hatte nach den neuesten Zahlen des Wirtschaftsreferats in den vergangenen beiden Jahren als Veranstalter ein Defizit mit der Wiesn erwirtschaftet. 2008 standen den Einnahmen von 3,5 Millionen Euro Kosten von 3,7 Millionen gegenüber. 2009 erhöhte sich das Minus nochmals auf rund 345 000 Euro, nachdem die Stadt fast 4,2 Millionen ausgegeben, aber nur rund 3,85 Millionen Euro eingenommen hatte. Anders ausgedrückt: Jeder Wiesnbesuch wurde so mit gut fünf Cent Steuergeldern subventioniert – und das, obwohl im selben Jahr die Stadt von ihren Ersparnissen zehren musste.
Doch wie kam es zu dem Defizit? Im Wirtschaftsreferat werden „große Investitionsmaßnahmen“ für die 2009 deutlich gestiegenen Ausgaben verantwortlich gemacht. So sei die Mittelstraße ausgebaut worden, erläutert Sprecherin Carolin Pöverlein. Auch der Umzug des Betriebshofs habe Kosten verursacht. Hingegen seien die städtischen Erlöse wegen der kleineren Wiesn 2008 sogar geschrumpft. Denn die Haupteinnahmequelle der Stadt sind die Standgebühren der rund 600 Wiesnbetriebe. Von den 3,85 Millionen Euro, die die Wiesn 2009 in die städtische Kasse spülte, entfielen fast 3,7 Millionen auf diesen Posten. Rund die Hälfte davon, etwa 1,85 Millionen, mussten die 14 großen Wiesnzelte zahlen. Das sind im Schnitt rund 130 000 Euro pro Wiesnzelt.
„Es darf nicht sein, dass die Stadt da mit einem Defizit rausgeht“, mahnt Lydia Dietrich, Fraktionschefin der Rathaus-Grünen. „Eigentlich sollte die Stadt mit einer Null rausgehen.“ Was nur wenige wissen: Die Stadt will gar keine direkten Gewinne machen mit dem größten Volksfest der Welt. Man verdiene ja schon mittelbar, zum Beispiel über die Gewerbesteuer, sagt Wirtschaftsreferent Dieter Reiter.
Von einer Erhöhung der Standgebühren will man im Wirtschaftsreferat derzeit jedenfalls nichts wissen. Die Stadt habe nämlich 2006 und 2007 deutliche Gewinne eingefahren, betont Sprecherin Pöverlein. Man müsse das Verhältnis von Kosten und Erlösen deshalb über einen längeren Zeitraum betrachten. Bei der nächsten Wiesn 2010 sei das geplante Defizit auch schon wieder deutlich kleiner. Bei Gesamtkosten von fast vier Millionen Euro soll die Stadt dann 66 000 Euro drauflegen. Ein Verlust aber bleibt.
Richard Quaas, Stadtrat der CSU, jedenfalls zeigt Verständnis. Die Stadt wolle ja auch keinen Gewinn machen, „um Beschicker zu motivieren“, Investitionen zu tätigen. „Die Wiesn lebt von Innovationen“, sagt Quaas. Nicht zuletzt, so verlautet aus dem Wirtschaftsreferat, würden die Betriebe eine Erhöhung der Standgebühren wohl auch eins zu eins an die Wiesnbesucher weiterreichen. Für die sollten die Kosten aber im Rahmen bleiben.
Nur ist diese Taktik auch aufgegangen? Grünen-Stadträtin Dietrich lässt ihrem Spott freien Lauf: „Bei einem Masspreis von zuletzt 8,60 Euro kann man das in Frage stellen.“
Von Matthias Kristlbauer
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