713.01.10|München|München|5
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München - Die Audimax-Besetzer sind zurück. Nach einer Demo in der Innenstadt nisteten die Studenten sich erst in die FDP-Landeszentrale ein. Am Abend besetzten sie einen Uni-Raum an der Schellingstraße.

Wollen wir die Uni wieder besetzen? Studenten in der FDP-Landeszentrale am Rindermarkt. Foto: Marcus Schlaf
Vielleicht ist den Studenten einfach nur kalt. Sie haben sich nach einem Demo-Marathon durch die Innenstadt versammelt, um ihren Forderungen durch eine Straßenblockade am Isartor Nachdruck zu verleihen. Nun aber wollen sie weiterdiskutieren. Nur wo? Seit die Polizei das Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) zwischen den Jahren geräumt hat, fehlt dem sogenannten Plenum ein regulärer Tagungsraum. Spontan entscheiden die etwa 60 Studenten, bei der FDP-Landeszentrale am Rindermarkt zu klingeln. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch ist ein Liberaler – was läge da näher?

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Anders als erwartet, öffnet der neue FDP-Geschäftsführer Martin Hagen den Demonstranten die Tür und lädt sie zum Gespräch ein. Mehr noch: Er bietet Kaffee an, stellt ihnen einen Sitzungsraum zur Verfügung. Daraus machen die Studenten kurzerhand einen „Besetzungsraum“.
Zwei Stunden diskutieren sie bei den Liberalen, dann ziehen sie sich brav zurück – nicht jedoch, ohne einen entscheidenden Beschluss zu fassen. „Wir wollen uns wieder einen Raum holen“, erklärt eine Sprecherin. Kurz darauf zieht die Gruppe in Richtung Akademie der Bildenden Künste weiter. Dann besetzen sie jedoch den Raum S005 in dem Universitätsgebäude an der Schellingstraße 3. Diesmal reagiert die Uni-Leitung schnell: Kurz vor 20 Uhr fordert sie die Studenten auf, den Saal zu verlassen – es gibt keinen Widerstand.
Tagsüber hatte es positive Signale für die Studenten gegeben. Heubisch hatte zwei Stunden lang mit rund 50 Studentenvertretern vieler bayerischer Hochschulen im Ministerium zusammengesessen. Die Delegierten waren offiziell gewählt worden, anders als die Besetzer. Man einigte sich darauf, dass die Studenten mehr Mitspracherechte an den Unis erhalten sollen. Eine Arbeitsgruppe soll bis Mitte des Sommersemesters einvernehmliche Lösungen finden.
Claas Meyer, Sprecher der Landes-Asten-Konferenz, wünscht sich ein eigenes Studentenparlament und dass die Stimme der Studenten im Senat das gleiche Gewicht hat wie die der Professoren. Heubisch lehnt dies ab – weil das die Freiheit der Forschung gefährden würde. Meyer könnte sich wiederum vorstellen, dass das Stimmrecht in Forschungsfragen eingeschränkt werden könnte.
„Ergebnisoffen“ sollen die Gespräche sein, sagte Heubisch. „In einer Demokratie setzt niemand seine Ziele zu 100 Prozent durch.“ Die Arbeitsgruppe tagt am 5. Februar zum ersten Mal und besteht aus jeweils drei Delegierten der Studierenden, der Hochschulen und des Ministeriums. Damit rückt eine verfasste Studierendenschaft zum ersten Mal seit ihrem Verbot in Bayern 1974 in greifbare Nähe. Wichtige Anliegen der Studenten wie die Abschaffung der Studiengebühren und Reformen der Bachelor- und Masterstudiengänge sollen in der Arbeitsgruppe jedoch ausgeklammert werden.
Von Thierry Backes und Kolja Kröger
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