München - Münchens Studenten gehen auf die Barrikaden. Nach dem Ärger über das gescheiterte Semesterticket soll jetzt der MVV boykottiert werden.

Protest für bessere Bildung: Bereits im vergangenen Jahr gingen die Münchner Studenten auf die Straße. Foto: Klaus Haag
Es hat sich bei den Münchner Studenten offenbar einiger Ärger angestaut, der nun raus muss. Erst vor wenigen Wochen waren die Verhandlungen über die Einführung eines Semestertickets zum dritten Mal für gescheitert erklärt worden. Dieses hätte den Studierenden eine günstigere Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ermöglichen und so auch angesichts der Studiengebühren etwas finanziellen Freiraum verschaffen sollen.
Die Studierenden wollen sich aber noch nicht geschlagen geben. Die Studentischen Vertretungen der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), der Technischen Universität (TU) und der Hochschule München rufen ihre Kommilitonen dazu auf, sich für Juni keine MVV-Monatskarte zu kaufen. Stattdessen sollten die Studenten in Fahrgemeinschaften, mit dem Fahrrad „oder mit dem Pferd“ zur Uni kommen - „oder gleich dort zelten“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärungen der Studentenvertretungen.
Damit aber nicht genug: Auch gegen die Bologna-Reform an den Hochschulen wollen sich die Studenten weiter zur Wehr setzen. Nachdem im Winter protestierende Studenten 47 Tage lang das Audimax der LMU besetzt hatten, steht jetzt eine gemäßigtere Art des Protests an. Von 7. bis 11. Juni wird es auf dem Geschwister-Scholl-Platz ein Bildungscamp geben. „Das soll mehr wie ein Kulturfest ablaufen“, beschreibt Malte Pennekamp, Sprecher der bayerischen Landes-ASten-Konferenz, das Konzept. In Workshops werden verschiedene politische Themen diskutiert. Kabarett und Bands sorgen für Unterhaltung. Höhepunkt wird eine Großdemo, gemeinsam mit den Studierendenvertretungen und der Schülerinitiative München, am 9. Juni sein.
Neben Chancengleichheit in der Bildung fordern die Studenten vor allem einheitliche Regelungen an den deutschen Hochschulen. „Wenn es 16 verschiedene Zugangsvoraussetzungen gibt, wird es damit den Studenten erschwert, den Studienort zu wechseln“, erklärt Pennekamp. Deshalb tritt er dafür ein, dass in Bildungsfragen der Bund mehr Kompetenzen erhält. Außerdem müssten die Regelstudienzeiten ausgeweitet werden. Mit dem neuen Abitur in nur zwölf Jahren und einem Bachelor-Studium in drei Jahren würden den Studenten insgesamt drei Jahre Bildung fehlen. Diese Entwicklung hält Pennekamp für „bedenklich“.
Matthias Kristlbauer & Kerstin Lottritz
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