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Tausende Hausärzte im Ausstand

026.08.10|München|München|
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Artikel: Tausende Hausärzte im Ausstand

München - Bis zu 6000 Hausärzte in Bayern haben am Donnerstag mit Praxisschließungen gegen die Sparpläne von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) protestiert. In München war die Beteiligung überschaubar. Der Streik stößt auf ein geteiltes Echo.

Warnschuss gegen Sparpläne: Viele Hausarztpraxen weisen mit Plakaten auf den zweitägigen Streik hin. Foto: dpa

© Peter Kneffel

Warnschuss gegen Sparpläne: Viele Hausarztpraxen weisen mit Plakaten auf den zweitägigen Streik hin. Foto: dpa

An zahlreichen Arztpraxen - vor allem auf dem Land - hängen am Donnerstag Schilder, die auf die Schließung hinweisen. Nach Angaben des bayerischen Hausärzteverbandes haben sich am ersten von zwei Streiktagen gar 5000 bis 6000 der rund 7500 Hausärzte im Freistaat an der Protestaktion beteiligt. Die sei „eine Warnung an Herrn Rösler, die Hände von dem Gesetz zu lassen“, sagt der Verbandsvorsitzende Wolfgang Hoppenthaller. „Auf dem Land drohen Versorgungsengpässe.“

Rösler hatte angekündigt, gut dotierte „Hausarztverträge“, von denen derzeit vor allem bayerische Hausärzte profitieren, wieder einzuschränken. Bestehende Verträge genössen aber Bestandsschutz. Hoppenthaller wirft Rösler nun „Vernebelungstaktik“ vor. Es werde wohl keine Krankenkasse solche Verträge verlängern, wenn die Verpflichtung dazu wegfalle.

In München und dessen Umland, wo die Hausarztdichte hoch ist, sind nach Hoppenthallers Aussage nur etwa 300 Praxen geschlossen. Wer am Donnerstag stichprobenartig bei Münchner Hausärzten anruft, erfährt, dass viele Urlaub haben, ein einziger erklärt auf seinem Anrufbeantworter, dass er streike. Dr. Kurt Gerhard Geitz, der seine Praxis am Stachus hat, arbeitet am Donnerstag. „Ich glaube nicht, dass man mit dem Streik irgendetwas erreichen kann“, sagt er. Dr. Ute Bertheau-Reith würde ihr Gewissen plagen, hätte sie ihre Praxis in Pasing geschlossen. „Ich fände es unverantwortlich, als einzige Ärztin in der Gegend zu schließen. Da muss ich an die Patienten denken“, sagt sie. Mit den bisherigen Hausärzteverträgen könnten Mediziner zurechtkommen. „Nur das soll sich ja jetzt ändern“, betont Bertheau-Reith. Schärfere Kritik übt Patricia März, Hausärztin in der Maxvorstadt. „Menschliche Zuwendung ist nichts mehr wert“, klagt sie. Vieles, was sie leiste, werde nicht bezahlt - vor allem Patientengespräche.

Die Vertreter des Hausärzteverbandes schössen „deutlich über das Ziel hinaus“, kritisiert Gabriel Schmidt, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB). Aussagen, dass etwa der Zusammenbruch der Versorgung im ländlichen Raum drohe und es somit zu Todesfällen kommen werde, seien „völlig überzogen“.

Auch die Kassen sind gegen die Streiks. Es sei „weder den Versicherten, noch den übrigen Ärzten zu vermitteln, dass die Hausärzte die einzige Gruppe sein soll, die sich nicht an den Sparbemühungen beteiligen will“, sagt Rolf-Ulrich Schlenker, Vize-Vorsitzender der Barmer GEK. Eine Sprecherin der AOK Bayern erklärt, die Kasse sei besorgt darüber, dass „unrechtmäßige Streiks die Hausarztverträge gefährden“. Versicherte, die nicht behandelt würden, sollten sich bei der AOK melden.

Ob viele Patienten dem nachkommen, ist fraglich. Nicht nur der Hausärzteverband spricht davon, dass der „überwiegende Teil der Patienten den Protest unterstütze“. Auch Dr. Bernhard Matzner, Hausarzt in Aubing, macht diese Erfahrung: „Sie fragen sogar, warum ich die Praxis nicht geschlossen habe.“

Ralf Langejürgen, Chef des Verbands der Ersatzkassen in Bayern, kritisiert die Streikenden scharf. Wer hilfesuchende Patienten aussperre und damit die schädige, „von denen die Honorargelder kommen, handelt zutiefst unsozial“. Bayerns Hausärzte stünden mit im Schnitt mehr als 200 000 Euro Jahreshonorar (Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung) an der Spitze der Einkommensskala.

Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) nennt den Streik und die Sorgen der Hausärzte dennoch „sehr berechtigt“ - und wiederholt die Zusage, sich dafür „einzusetzen, dass die bayerischen Hausärzte nicht schlechter gestellt werden.“ Anders sieht das Max Straubinger von der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Für Praxisschließungen bestehe „überhaupt kein Anlass“, auch, weil die Hausärzte zuletzt von Honorarzuwächsen von im Schnitt elf Prozent profitiert hätten.

Bayerns FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß wirft Hoppenthaller vor, „unberechtigte Ängste zu schüren“. Die Grünen-Landesvorsitzende Theresa Schopper erklärt, die Streiks seien „nicht nachvollziehbar“. Rösler habe zugesichert, bestehende Hausarztverträge nicht anzutasten. Heute soll der Protest weitergehen, viele Praxen öffnen erst am Montag wieder.

Anna-Maria Schuster / Caroline Wörmann

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