München - Wieder haben junge Männer in der U-Bahn geprügelt. Doch diesmal schritten gleich mehrere Fahrgäste ein, und der U-Bahnfahrer lieferte die Schläger direkt der Polizei aus.

© Kurzendörfer
Der U-Bahnhof Frankfurter Ring: Gleich hier legten die Polizisten den Schlägern Handschellen an.
Freitagabend, 22.30 Uhr, U 2 vom Hasenbergl in die Innenstadt: Zwei Lageristen im Alter von 18 und 19 Jahren suchen Streit. Beide sind laut Polizei betrunken. Sie sitzen auf einer Bank nahe dem Einstieg, unterhalten sich lautstark, der ältere raucht. Eine Szenerie, die spätestens seit der tödlichen Prügelattacke von Solln Beklemmung auslöst.
Auch dem U-Bahn-Fahrer fallen die beiden auf. Er alarmiert die Leitstelle und fordert die U-Bahn-Wache an. Die beiden Schläger konzentrieren sich auf einen 17-jährigen Münchner Zimmerer, der am Sitzpolster neben dem Einstieg lehnt. Der Jüngere stellt sich neben ihn, pöbelt den 17-Jährigen an. Doch der bleibt nach Erkenntnissen der Polizei ruhig, lässt sich nicht provozieren. Nun steht der 19-Jährige auf und versucht mit dem Fuß gegen den Kopf des Zimmerers zu treten. Der kann dem Tritt ausweichen, doch jetzt gibt es für die Täter kein Halten mehr: Mit den Fäusten prügeln sie zu zweit auf ihr Opfer ein.
Einige Schläge muss der 17-jährige einstecken, doch dann wendet sich das Blatt: München zeigt jene Zivilcourage, die am 20. Dezember bei einer Gedenkveranstaltung für den zu Tode geprügelten Dominik Brunner auf dem Odeonsplatz vehement eingefordert worden ist. Gleich mehrere Fahrgäste stehen auf und kommen dem Bedrängten zu Hilfe. Wie die Polizei gestern berichtete, gelingt es den Helfern, die Schläger zu überwältigen.
Der U-Bahnfahrer hält währenddessen Kontakt zur Leitstelle. In Absprache mit den Sicherheitskräften drosselt er das Tempo. So langsam lässt er den Zug durch den Tunnel rollen, dass Polizei und U-Bahnwache schon am Bahnsteig bereit stehen, als er am Frankfurter Ring ankommt. Die Polizisten brauchen den Schlägern nur noch Handschellen anzulegen.
Um den Ablauf restlos zu klären, sucht die Polizei Zeugen, insbesondere jene mutigen Helfer, die dem Opfer zu Hilfe gekommen sind. Bislang ist nur einer namentlich bekannt. Doch schon nach jetzigem Kenntnisstand ist die Polizei des Lobes voll. „Es ist super, dass die Leute gleich eingeschritten sind“, sagte Sprecherin Claudia Haas am Sonntag.
Die Erfahrungen von Prügeleien in jüngerer Vergangenheit legen die Vermutung nahe, dass der 17-jährige Zimmerer ohne ihre Hilfe zu Boden gegangen wäre und schwere, womöglich lebensgefährliche Verletzungen davongetragen hätte.
Auch der U-Bahn-Fahrer, so lobte ein MVG-Sprecher, habe „vorbildlich reagiert und alles richtig gemacht“. Er habe seinen Teil dazu beigetragen, dass die Schläger festgenommen werden konnten.
Hier zeige sich ein Vorteil der U-Bahnzüge der neueren Generation. Weil die C-Züge keine getrennten Wagen und Abteile haben, konnte der Fahrer das Geschehen aus dem Führerstand heraus gut überblicken und einschätzen.
Peter T. Schmidt
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