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Unterirdischer Benzin-See verseucht seit 30 Jahren Boden am Main

Unterirdischer Benzin-See verseucht seit 30 Jahren Boden am Main

004.05.08|München|München|
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Artikel: Unterirdischer Benzin-See verseucht seit 30 Jahren Boden am Main

Volkach/Würzburg - Das Wort "Umweltkatastrophe" hören die Volkacher ungern. Schließlich soll das idyllische Städtchen an der Mainschleife eher mit exzellentem Wein denn mit verseuchtem Boden in Verbindung gebracht werden. Dennoch ist ein Gebiet der Stadt im Landkreis Kitzingen in der Größe von etwa drei Fußballfeldern mit Benzin durchtränkt; möglicherweise auch mehr.

Nun soll auf dieser Fläche für rund sechs Millionen Euro ein Einkaufszentrum entstehen. Allerdings nicht, ohne endlich die Altlasten zu beseitigen, die vor mehr als 30 Jahren im Boden versickerten.

Im Jahr 1977 waren geschätzte 400 000 Liter Benzin aus dem Volkacher Main-Tanklager (Landkreis Kitzingen) in das Erdreich geflossen. Seitdem ist die Altlastenfrage ungelöst. "Der Boden ist mittlerweile so verseucht, dass dort überhaupt nichts mehr läuft. Von Ökologie kann in diesem Gebiet keine Rede sein", sagt Helga Hartstang vom Bund Naturschutz in Kitzingen. Das zuständige Wasserwirtschaftsamt in Aschaffenburg bestätigt: "Die Grundwasserschäden ziehen immer weitere Kreise." Der Benzin-See auf dem Grundwasser unter dem Tanklager breite sich in Richtung Volkach aus. Die Lehm- und Sandböden des 19 000 Quadratmeter großen Geländes seien mit dem Treibstoff geradezu getränkt - für die rund 10 000 Einwohner bestehe aber keine Gesundheitsgefahr.

Anfang der 60er Jahre wurden mehrere siloartige Benzintürme an den Main gebaut, um Tankstellen der Region von dort aus zu beliefern. 1977 fehlten dann plötzlich gut 400 000 Liter. Die Betreiber gingen zunächst von Diebstahl aus. Als fünf Jahre später eine Kläranlage in der Nähe errichtet werden sollte, fiel Arbeitern der Benzingeruch auf.

Es folgte eine erste Grundwassersanierung seitens des Betreibers, jedoch ohne Erfolg, wie sich später herausstellte. Als 1988 eine Staatsstraße neben dem Tanklager am Stadtrand gebaut wurde, war der Boden noch immer verseucht. Eine zweite Sanierung wurde vor acht Jahren abgebrochen, weil die Betreiberfirma Insolvenz anmeldete. Seither ist das Gelände abgeriegelt. Keiner weiß, ob die Tanks leer sind.

Dem Bodenschutzgesetz zufolge sind für die Beseitigung der Altlasten Verursacher wie Eigentümer des Grundstücks verantwortlich. "Im Fall Volkach fallen Verursacher und Eigentümer zusammen. Verantwortlich wäre also die Betreiberfirma des Tanklagers gewesen", erläutert der Abteilungsleiter im Bereich Bau- und Umweltrecht im Landratsamt Kitzingen, Volker Wirths. Nach der Insolvenz sei bei dem Unternehmen allerdings nichts mehr zu holen gewesen. In einem solchen Fall müsse der Freistaat für die Sanierung sorgen.

Nach jahrelangem Hin und Her, insbesondere wegen der ungeklärten Finanzierung, soll dies nun geschehen. Eine Würzburger Firma möchte auf dem Areal ein Einkaufszentrum errichten. Voraussetzung ist die Entsorgung der Altlasten. 1,2 Millionen Euro stellt das Unternehmen dafür bereit. Zunächst muss das Erdreich abgebaggert werden, was den Landkreis pro Jahr 179 000 Euro kosten wird. Schätzungen gehen von Gesamtkosten in Höhe von etwa 3,45 Millionen Euro aus.

Mittlerweile hat der Volkacher Stadtrat über den Bebauungsplan positiv entschieden. Stimmt das Landratsamt jetzt noch dem Sanierungsplan des Investors zu, kann es losgehen. In wenigen Wochen könnten die ersten Bagger anrollen, sagt der Projektleiter der Würzburger Firma Allobjekt, Rainer Düsel. Noch in diesem Jahr sollen die Tanktürme abgebaut und der Boden fünf Meter tief ausgebaggert werden.

Die anschließende Grundwassersanierung dürfte ungleich länger dauern. Der Landkreis rechnet mit einem Zeitraum von rund 15 Jahren und jährlichen Haushaltskosten von etwa 30 000 Euro. Für die restliche Summe in unbekannter Höhe muss den Angaben nach dann der Freistaat aufkommen. Die Sanierungskosten sind derzeit nicht bezifferbar, weil das Ausmaß der Umweltverschmutzung völlig unklar ist. Die 400 000 Liter Benzin sind nur eine grobe Schätzung. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Schäden viel größer sind, als wir das momentan annehmen", warnt Hans Schneider vom Bund Naturschutz aus Volkach. dpa ho/aro yybyf a3 uk

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