München - Soll der zweite S-Bahn-Tunnel gebaut werden oder nicht? Wir sprachen mit Martin Runge. Der Landtagsabgeordnete der Grünen gilt als der heftigste Gegner des Projekts. Ein Interview:

© kh
Martin Runge hält den Bahn-Südring für die bessere Lösung.
-Herr Runge, das bayerische Kabinett will wohl den Bau des S-Bahn-Tunnels beschließen. Ist das der Durchbruch für die Röhre?
Nein, mit Sicherheit nicht. Es wäre ja nicht der erste Beschluss für den Bau der zweiten Röhre. Zum ersten Mal hat die Staatsregierung dies im Mai 2001 beschlossen. Allerdings hat man es in den neun Jahren seither nicht geschafft, eine tragfähige Planung für den Tunnel hinzubekommen.
-Sogar die Mehrheit der Grünen-Fraktion im Stadtrat will nun den Bau des Tunnels – gemäß dem Motto: Besser als nichts . . .
Das ist die Angst, als Verhinderer dazustehen. Meiner Ansicht nach ist da auch ein bisschen sklavische Koalitionstreue mit dabei. Die Fraktion ist hier offenbar Herrn Ude auf den Leim gegangen.
-Die Grünen im Rathaus wollen den Tunnel für den Regionalverkehr ertüchtigen. Wäre das eine Lösung, um den Nutzen zu steigern?
Das muss man sich genau anschauen, ob wir auch tatsächlich eine regionalverkehrstaugliche Röhre bekommen. Man müsste Nutzen und Kosten hinterfragen. Klar ist aber auch: Das wäre eine neue Planung und Konzeption.
-Die Münchner Rathaus-Grünen wollen doch aber gar nicht umplanen . . .
Diese Position wäre ein klassisches Jein. Das halte ich für wenig hilfreich. Ich verstehe zwar die Motivation, dass sie nicht als Nein-Sager dastehen wollen, aber das ist nicht ehrlich.
-Minister Martin Zeil sagt, ohne den zweiten Tunnel sei eine Verbesserung für das S-Bahn-System nicht möglich. Glauben Sie das?
-Was meinen Sie?
Man könnte zum Beispiel einige wenige Züge über den Südring ableiten. Selbst das Umdrehen in Pasing oder am Starnberger Bahnhof wäre eine – wenngleich weit weniger attraktive – Lösung.
-Minister Zeil will mit dem Tunnelbau beginnen, auch wenn im Abschnitt Ost in Haidhausen noch keine Genehmigung vorliegt. Ist das möglich?
Rechtlich ist das wohl möglich. Aber ich hoffe, dass dies der Landtag verhindert. Mit dem Bau zu beginnen, ohne Baurecht für alle drei Abschnitte zu haben, könnte bedeuten, dass im Zweifelsfall die Züge in die Isar geschickt werden.
-In die Isar geschickt?
Der dritte Abschnitt des Tunnels beginnt östlich der Isar. Für ihn liegen nicht mal Pläne vor. Ich halte es für fatal, Geld zu verbuddeln, wenn man nicht sicher weiß, ob das Projekt komplett gebaut werden darf.
-Glauben Sie, dass die Grünen im Landtag dem Tunnel zustimmen?
Nein. So, wie er jetzt geplant ist auf keinen Fall.
-Sie hatten schon die Kostenexplosion für den Transrapid vorausgesagt. Was, glauben Sie, passiert mit dem Tunnel?
Man wird feststellen, dass die Streckenführung und die Bautechnik im Ostabschnitt unheimlich schwierig wird. Die Kosten werden auch hier explodieren. Meines Erachtens wird der Tunnel nicht gebaut, weil er nicht finanzierbar ist.
Interview: Matthias Kristlbauer
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