109.03.10|München|München|
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München - Frauen sind im Münchner Stadtbild unterrepräsentiert: Nur wenige Straßen und Plätze sind nach Frauen benannt. Doch der Wind dreht sich - mit einer Frauenquote für Straßennamen.

Wenn es um die Emanzipation der Frau geht, ist München vorbildlich. Seit 25 Jahren darf die Stadt eine Gleichstellungsstelle ihr Eigen nennen – es war die erste in Bayern. Auch die Förderung der Frau im Job wird im Rathaus großgeschrieben. Seit Jahren heimst die Verwaltung einen Preis nach dem anderen ein. Trotzdem: Es gibt auch ein dunkles Kapitel in der kommunalen Emanzipationsbilanz. Münchens Straßenamen sind eine massive Männerhochburg – und werden dies auch bleiben.
Am Anfang stand eine Erhebung. Rund 6000 Straßen und Straßennamen wurden vor gut zehn Jahren in München gezählt. Gut 2500 davon waren nach Männern benannt, lediglich 200 nach Frauen, der große Rest nach Orten oder Sachen. Um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, schritten Ende 2003 die Rathaus-Grünen zur Tat. Der Straßenraum sollte weiblicher werden. Seitdem gilt folgende Regelung im Rathaus: Wird eine Straße neu benannt, dann hat ein Frauenname den Vorrang.
Melitta Bentz, die Erfinderin des Papierkaffeefilters, schaffte es so 2007 aufs Straßenschild in Moosach. Der Schauspielerin Marlene Dietrich war dies – natürlich postum – schon 2004 gelungen. Die nach ihr benannte Straße liegt im Neubaugebiet Arnulfpark. 2008 erhielt auch Mildred Scheel, die Frau des früheren Bundespräsidenten Walter Scheel und Gründerin der Deutschen Krebshilfe, eine eigene Straße, den Mildred-Scheel-Bogen in Schwabing-West. Ein von der Öffentlichkeit besonders beachteter Akt der Entmännlichung findet derzeit in der Maxvorstadt statt. Die Meiserstraße, benannt nach dem evangelischen Landesbischof Hans Meiser, wird wegen der umstrittenen antisemitischen Äußerungen des Kirchenmannes wohl bald Katharina-von-Bora-Straße heißen. Dadurch kommt auch die Frau von Martin Luther zu Ehren. Ihr Mann hat ja schon länger eine eigene Straße in Giesing.
Trotzdem: Von Gleichberechtigung im Straßenraum kann derzeit keine Rede sein. Am Mittwoch wird Kommunalreferentin Gabriele Friderich dem Stadtrat wieder einmal eine Zwischenbilanz der Straßenschild-Emanzipation vorlegen. Die Praxis habe gezeigt, „dass eine verstärkte Benennung von öffentlichen Verkehrsflächen nach Frauen eine sehr schwierige Aufgabe geblieben ist“, resümiert Friderich. Nach wie vor wünschten sich Privatpersonen, aber auch Bezirksausschüsse und Stadtrat „fast ausschließlich“ Männer, wenn es darum gehe, Personen zu ehren.
Immerhin: Laut Kommunalreferat kamen in den vergangenen sechs Jahren mehr Frauen als Männer zum eigenen Straßenschild: 44 zu 39 lautet die Bilanz. Mehr war nicht drin. Schließlich will auch die Münchner Tierwelt berücksichtigt werden. Dafür hat die Landeshauptstadt nun einen Storchen- und einen Buntspechtweg. Selbst der Kaisermantel, ein Schmetterling, flatterte aufs Straßenschild.
Matthias Kristlbauer
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