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Vorwürfe und Trauer nach dem Aus für Moschee

Vorwürfe und Trauer nach dem Aus für Moschee

München - Nach dem Aus für die Sendlinger Moschee entbrennt eine heftige politische Debatte. OB Ude kritisiert den Dachverband Ditib. Von CSU und FDP hagelt es Vorwürfe gegen die Stadtspitze.

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Noch bevor die Welle der Kritik losrollte, blies Christian Ude zur Verteidigung: Die Stadt habe alles in ihrer Macht stehende getan, um das Moscheeprojekt in Sendling zu ermöglichen, betonte er schon am Dienstagmorgen per Pressemitteilung. Das sei wichtig für das Verhältnis zu den Münchner Türken und Muslimen: „Die Stadt hat sie nicht im Stich gelassen.“

Harte Worte fand Ude für den türkischen Dachverband Ditib, der das Moschee-Projekt nicht unterstützen will. Das sei „für die Stadt schon sehr befremdlich“. Schließlich habe der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan geäußert, er sehe das Sendlinger Moscheeprojekt als so bedeutsam an, dass er zur Grundsteinlegung kommen wolle. Für Ditib, kündigte Ude verärgert an, werde es in Zukunft schwieriger werden, deutsche Kommunalpolitiker für die Unterstützung von Bauvorhaben zu gewinnen.

Udes Ärger kommt kaum überraschend – er und seine Verwaltung hatten sich jahrelang für den Bau der Moschee ins Zeug gelegt. Die Stadt hatte nicht zuletzt den aufwändigen Bebauungsplan erarbeitet. Doch wie berichtet, scheitert das Projekt an der Finanzierung. Der Moscheeverein „Ditim“ erhält vom Dachverband „Ditib“ keine Hilfe. Ditim-Chef Recep Dereli sieht daher keine Chance mehr, den Moscheebau zu stemmen.

Im Stadtrat wird dennoch Kritik an der Stadtspitze laut. „Das ist eine herbe Niederlage für Ude und Rot-Grün“, ätzte Josef Schmid, Chef der Rathaus-CSU. Seine Fraktion hatte zuletzt gegen die Moschee gestimmt. SPD und Grüne hätten versucht, den Bau durchzudrücken, ohne die Sendlinger Bürger zu beteiligen, so Schmid. Ein anderes Moscheeprojekt, bei dem die Rahmenbedingungen stimmen, werde er aber unterstützen.

Auch FDP-Fraktionschef Michael Mattar warf Ude Fehler vor. Der OB habe versäumt, dem Verein klare Vorgaben zu machen, bis wann die Finanzierung stehen müsse. „Bei künftigen Moscheeprojekten muss das anders laufen.“ CSU und FDP setzen nun Hoffnung in das Projekt des Penzberger Imams Benjamin Idriz, der in München eine Moschee und eine Islam-Akademie gründen will. Auch Grünen-Stadträtin Gülseren Demirel sagte: „Wir werden uns als Fraktion für dieses Projekt einsetzen. “

Bei den Muslimen in Sendling herrscht indes Ernüchterung. „Viele waren schockiert und hatten Tränen in den Augen“, sagte Ditim-Chef Recep Dereli (siehe Interview in dieser Ausgabe). Er plädiert nun für eine bescheidene Lösung: „Ich bin dafür, dass wir unsere Räume an der Schanzenbachstraße zur Moschee ausbauen.“ Dort beten die Gläubigen in einem ehemaligen Möbellager. Für einen Ausbau liegt ihnen eine Baugenehmigung vor: Ditim dürfte das Gebäude um einen Stock erhöhen und eine Kuppel darauf setzen. Minarette sind nicht genehmigt. Kostenpunkt: Mindestens 1,5 Millionen Euro. Dereli ist überzeugt: „Das können wir schaffen. Auch wenn jetzt die Enttäuschung tief sitzt – ich denke, unsere Mitglieder würden spenden.“

Der Dachverband Ditib verteidigte unterdessen seine Entscheidung, dem Traum von der Moschee am Gotzinger Platz eine Absage zu erteilen. „Wir haben schon 2008 gesagt, dass das Projekt mit Kosten von 15 Millionen Euro überdimensioniert ist“, sagte Ditib-Justiziar Mehmet Günet. „Ohne ein schlüssiges Finanzierungskonzept können wir das Projekt aber nicht unterstützen.“

Johannes Patzig

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