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Vuvuzelas: Stadt berät doch über WM-Tröten-Verbot

Vuvuzelas: Stadt berät doch über WM-Tröten-Verbot

München - Ärzte warnen vor Langzeitfolgen der Vuvuzela-Tröten. Das Gesundheitsreferat will am Wochenende beim Public Viewing Messungen vornehmen und am Montag über ein Verbot beraten.

© dpa

Im schlimmsten Fall droht lebenslange Schwerhörigkeit: Statt Tröten sollte man zum Public Viewing lieber Ohrenstöpsel mitnehmen.

Die Liste der Städte, die die südamerikanischen Vuvuzela-Tröten bei den Public-Viewing-Veranstaltungen schon verboten haben, ist lang: In Nürnberg, Wuppertal und fast allen Städten in Nordrhein-Westfalen dürfen die Zuschauer keine Vuvuzelas zu den Fanfesten mitbringen. in München sah die Stadtverwaltung bisher keinen Grund zum Einschreiten.

Am Freitag allerdings wurde Münchens Umweltreferent Joachim Lorenz dann doch hellhörig, Auf der Sitzung des Umweltausschusses des Deutschen Städtetags in Limburg landeten die Vuvuzelas aus aktuellem Anlass kurzfristig auf der Tagesordnung. Das Ergebnis: Sie sind hochgefährlich. Der Städtetag sprach die Empfehlung aus, eine Unterlassung der Tröten „ernsthaft“ zu prüfen.

Lorenz nimmt den Ball auf. Zwar will er keine Spaßbremse sein, weshalb die Tröten vorerst erlaubt bleiben, aber „ich bitte alle darum, die Tröten nicht zu benutzen“, appelliert er an die Münchner Fußballfans. „Sie sind extrem gesundheitsgefährdend.“

Bis zu 100 Dezibel können die Blasinstrumente, die in Südafrikas WM-Stadien für eine Dauer-Lärmkulisse sorgen, laut werden. Besonders schädlich sind sie im dichten Getümmel beim Public Viewing: Hält man sie nahe ans Ohr, können sie bis zu 140 Dezibel erreichen. „Wenn das Gehör eine solche Lautstärke auch nur einige Sekunden aushalten muss, ist das sehr gefährlich“, sagt John-Martin Hempel, Leiter der Audiologieabteilung des LMU-Klinikums Großhadern. Die Folge könne eine vorübergehende oder sogar bleibende Schwerhörigkeit sein, warnt Hempel - wobei die Empfindlichkeit des Gehörs bei jedem Menschen unterschiedlich sei.

Auch Andreas Zapf, Präsident des bayerischen Landesamtes für Gesundheit, ist besorgt: „Man sollte beim Public Viewing immer Ohrenstöpsel im Gepäck haben.“ Das gilt vor allem für Kinder und jugendliche. Sie sind besonders anfällig für Hörschäden.

Ein Kollege von Lorenz hatte in Limburg eine Begegnung der lauten Art. „Vor dem Städtetag ist er fast aus dem Bett gefallen, weil Schüler auf der Straße mit den Vuvuzelas Lärm gemacht haben“, erzählt Münchens Gesundheitsreferent. „Das waren kleine Kinder, die haben nur geübt.“ In den Public-Viewing-Zonen könnte es vor allem dann kritisch werden, wenn angetrunkene Fußballfans um die Wette tröten.

Ob Vuvuzelas in München erlaubt bleiben, wird sich am Montag entscheiden: Dann wollen das Gesundheitsreferat und das Kreisverwaltungsreferat gemeinsam über ein Verbot beraten. Maßgebend für die Entscheidung sollen die Lautstärkemessungen sein. Lorenz: „Und wir werden natürlich berücksichtigen, wieviele Beschwerden von Anwohnern eingehen.“

Kai Göpfert

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