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Wahlkampf-Versuche im Internet

München - Fast alle Direktkandidaten für den Bundestag haben das Internet als Wahlkampf-Plattform entdeckt. Doch nicht alles, was die Politiker so ins Netz stellen, findet auch ein Publikum. Während die einen fleißig Spenden sammeln und mit den Nutzern diskutieren, stellen die anderen sich erst mal vor.

Gerade mal 22 Aufrufe: Ein Ausschnitt aus dem Video von Claudia Tausend (SPD) im Gespräch mit der Genossin Marina Achhammer vom Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach auf „YouTube“. Diese sitzt links von Tausend, man sieht sie nur gerade nicht. screenshot: ickler/MM

Barack Obama hat es allen vorgemacht. Er hat tausende von Menschen über dasInternet als Wahlhelfer rekrutiert, mehrere Millionen Dollar an Spenden gesammelt. Und dann hat er das Geld in einen 30 Minuten langen, bombastischen Werbespot gesteckt, der wenige Tage vor der Wahl im November 2008 in den großen amerikanischen Fernsehsendern lief. Heute ist Barack Obama der 44. Präsident der Vereinigten Staaten.

Viele Politiker sehen in seinem Wahlkampf eine Revolution: Nie zuvor hatte jemand so viele Menschen direkt erreicht – und mobilisieren können. Klar, dass sich die hiesigen Politiker etwas bei ihm abschauen wollen. So sind alle Münchner Direktkandidaten heute im Internet zumindest präsent – und dabei mehr oder weniger erfolgreich. „Grundsätzlich werden die Seiten in Deutschland eher als eine Art digitale Broschüre verwendet“, sagt der Politikberater David Gebhard, der Obamas Wahlkampf als Mitarbeiter begleitet hat. „Wenn es aber darum geht, die Wähler partizipieren zu lassen, sind sind die Amerikaner viel, viel weiter.“

Wer einen Blick auf die statische Seite von Herbert Frankenhauservon der CSU wirft, versteht, was Gebhard meint. Frankenhauser verzichtet auf Schnickschnack, stellt nur ein paar dröge Texte online. „Die CSU nutzt die Möglichkeiten des Internets nicht“, sagt Gebhard. „Sie treten nicht in den Dialog zu den Wählern.“ Besser mache das etwa Hermann Brem von den Grünen: Auf seiner ansonsten vor allem bunten Homepage können die Nutzer seine Inhalte kommentieren – und für ihn spenden. Auch Rainer Stinner von der FDP kann bei Gebhard punkten: Er schreibt ein inhaltsreisches Weblog oder Tagebuch – und pflegt es.

Von der CSU ist nur Johannes Singhammer richtig aktiv im Internet. Er ist – wie viele andere – Mitglied bei mehreren „Communities“ wie „Facebook“, „MeinVZ“ oder den „Lokalisten“, in denen sich viele junge Wähler tummeln. Und genau die können die Politiker hier erreichen, sagt Kathi Wimmer, die eine Studie über Internet-Wahlkampf im Auftrag des Centrums für angewandte Politikforschung erstellt hat. „Ich habe allerdings den Eindruck, dass die einzelnen Politiker im Gegensatz zu den Bundesparteien noch nicht ganz im Web angekommen sind.“

Beispiel Singhammer: Weil er offenbar glaubt, dass man heute auch Videos von sich im Netz haben muss, hat er sich einfach in einen Wintergarten gesetzt und ein paar politische Statements abgegeben. Das Ergebnis ist mau – aber immer noch besser als die Filmchen, die Claudia Tausend von der SPD bei „YouTube“ hochgeladen hat. Sie hat sich einfach mit anderen Genossen getroffen und ein bisschen palavert. Wenn dann auch der Kamera- sicher kein Fachmann ist, muss man sich nicht wundern, wenn gerade mal 22 Nutzer das Video sehen wollen.

Etwas besser macht es Axel Berg, ebenfalls von der SPD. Seine Filmchen sind nicht nur professionell, sondern auch noch kreativ. „Das darf ruhig ein bisschen experimentell sein, wenn man junge Menschen ansprechen will“, sagt Gebhard. Kein Wunder also, dass Axel Berg bei „Facebook“ über 500 Freunde hat, 300 mehr als sein Konkurrent Singhammer. Barack Obama hat übrigens mehr als 6,7 Millionen Unterstützer.

Thierry Backes

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