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Wende im Streit um Hauptbahnhof

München - Im Streit um den Neubau des Hauptbahnhofs zeigt sich die Bahn kompromissbereit. Sie will nun doch versuchen, den preisgekrönten Entwurf des Münchner Architekturbüros Auer + Weber umzusetzen. Dieser muss aber billiger werden.

Preisgekrönter Glaspalast: Der Entwurf des Architekturbüros Auer + Weber soll jetzt doch eine zweite Chance erhalten – meint die Deutsche Bahn.

Es ist noch keine zwei Monate her, da kam es im Münchner Rathaus zum Eklat. Mit Buhrufen bedachten Stadträte Vertreter der Bahn, die soeben ihre Pläne für einen neuen Hauptbahnhof vorgestellt hatten. Es sollte ein funktionaler Zweckbau werden, der bei weitem nicht den Charme versprüht, wie dies der Entwurf des Architekturbüros Auer + Weber tut und der dafür den ersten Platz bei einem Gestaltungswettbewerb errungen hatte. Dass die Bahn zudem mit Informationen geizte, reizte die Stadträte umso mehr (wir berichteten).

Doch nun ist wieder Bewegung in die lange stockende Planung gekommen. Denn die Bahn will jetzt doch noch einmal die Pläne von Auer + Weber begutachten. Dafür gebe es eine „feste Zusage“ vom Technikvorstand der Bahn, Volker Kefer, sagte OB Christian Ude (SPD) gegenüber unserer Zeitung. Am Montag dieser Woche hatten sich Ude und Kefer auf dieses Vorgehen verständigt. In den nächsten Wochen werde die Bahn das Gespräch mit Auer + Weber suchen, bestätigte ein Sprecher des Unternehmens. Der Entwurf der Münchner werde in Hinblick auf Kosten und Funktionalität untersucht. Dann werde zwischen den Hausplänen der Bahn und denen der Architekten Auer + Weber abgewogen.

Der Entwurf der Bahn war vor allem deshalb kritisiert worden, weil hier der Eingangsbereich der Empfangshalle verengt worden war - zugunsten von Einzelhandelsgeschäften. Zudem seien die Kapazitäten bei den Übergängen zu den U- und S- Bahnen „unzureichend“, merkte Ude an. Rund 300 Millionen Euro sollte der Hauptbahnhof nach den Plänen der Bahn kosten. Er sei damit 70 bis 100 Millionen Euro billiger, als das Projekt nach den Vorstellungen von Auer + Weber kosten würde, hieß es aus dem Unternehmen.

Doch offenbar sind diese Berechnungen noch nicht belegt. „Es gibt noch keine nachvollziehbaren Zahlenwerke“, sagte Ude. Und es gebe noch keinen Beleg, dass der Entwurf von Auer + Weber unwirtschaftlich sei. Dennoch müsse das Architekturbüro jetzt nachweisen, „dass es auch günstiger geht“.

Projektplaner Moritz Auer beteuert, dass dies möglich ist. Kosten von 252 Millionen Euro netto hat Auer für den Neubau des Hauptbahnhofs errechnet - ohne den Umbau des Starnberger Flügelbahnhofs. Ob die Zahl allerdings mit den 300 Millionen Euro der Bahn vergleichbar sei, müsse man sehen. „Bisher ist da alles undurchsichtig“, sagte Auer. „Ich bin aber froh, dass es jetzt eine Wende gibt.“

Dass die Bahn nun Entgegenkommen signalisiert, überraschte sogar OB Ude. „Man will wohl tunlichst vermeiden, mit noch einem Bahnhofsprojekt auf öffentlichen Widerstand zu stoßen“, meinte der Oberbürgermeister in Anspielung auf die Probleme mit dem heftig umstrittenen Milliardenprojekt „Stuttgart 21“. Dennoch betonte Ude, dass es in dieser Frage „kein Gegeneinander“ geben dürfe. „Die Bahn ist unser wichtigster Verbündeter bei der Lösung der Verkehrsprobleme für den Großraum München.“

Wann der Bau einer neuen Empfangshalle realisiert werden kann, ist momentan noch völlig offen. Denn das Vorhaben ist eng mit der geplanten zweiten S-Bahn-Stammstrecke verbunden. Deren Bau soll über einen tiefen Schacht am Hauptbahnhof entstehen. Erst wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, kann mit dem Bau der neuen Empfangshalle begonnen werden. An eine Fertigstellung ist deshalb wohl kaum vor 2025 zu denken. Ude appellierte aus diesem Grund an die Bundesregierung: „Wir brauchen noch in diesem Jahr eine definitive Auskunft, dass die zweite Stammstrecke kommt und wann sie kommt.“

Matthias Kristlbauer

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