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Zur Wiesn droht U-Bahn-Streik

München - Wenn an einem Wiesn-Samstag 20 U-Bahnfahrer streiken, können sie Chaos verursachen. Das sei zwar nicht das Ziel, dennoch droht die Gewerkschaft GDL nun mit diesem Szenario: ein Ausstand zum Oktoberfest.

© dpa

Hier wäre Chaos vorporgrammiert: Zur Wiesn droht ein Streik bei der U-Bahn.

Das sagte Willi Russ, der für den Dachverband dbb Tarifunion die Tarifverhandlungen in Bayern verantwortet, gestern in München. Die GDL hatte die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt und bereitet sich wie berichtet auf unbefristete Streiks vor. Auch das Oktoberfest ist laut Russ eine Option. „Wir werden nicht drei Wochen Däumchen drehen“, wenn es bis zum Wiesn-Start am 18. September keine Lösung gebe.

Herbert König, Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), reagierte schriftlich. Er glaube, seine Mitarbeiter seien „vernünftiger als ein paar GDL-Funktionäre aus Berlin“ und hätten „kein Interesse“, die Münchner Bevölkerung gegen sich aufzubringen. Beim Oktoberfest gelte: „Alle Mann sind an Deck“ und wollten zeigen, was die Verkehrsbetriebe leisten können. „Das zu gefährden, wäre ein riesiges Eigentor.“

„Wir wollen nicht Fahrgäste und Touristen ärgern“ - sondern die Arbeitgeber, sagte Russ. Daher werde man am Anfang auch nur Nadelstiche setzen. In der Leitstelle, im Fahrdienst oder in Werkstätten. „Ein netter Scherz“, meinte eine amüsierte Renate Klusen, Personalstrategien der Stadtwerke. „Ich stelle es mir schwierig vor, einen Arbeitskampf zu führen, der die Fahrgäste nicht trifft.“

Am Mittwoch hat die GDL in München, Augsburg und Nürnberg schon die ersten Streikpläne beraten. Am Mittwoch, 1. September, startet die Urabstimmung. „Die Kollegen stehen wie eine Eins hinter uns“, so Russ. Er zweifle nicht, dass bei der Auszählung am 6. September die für einen unbefristeten Arbeitskampf notwendigen 75 Prozent „erheblich überschritten“ werden.

Die Stadtwerke stellt der Streik vor eine völlig neue Situation. Erstmals tritt nur eine Gewerkschaft in den Ausstand, in der etwa ein Drittel der Belegschaft und über die Hälfte der rund 1300 Fahrer organisiert sind. Verdi und die christliche Gewerkschaft GÖD haben dem Tarifkompromiss zugestimmt. Seit Juni ermöglicht ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts, dass es in einem Betrieb verschiedene Tarife für gleiche Arbeit gibt.

Schwer wird es für die Werke, die Mitarbeiter für die Streiktage einzuteilen. Dafür müsste sie wissen, wer in welcher Gewerkschaft ist oder bräuchte von der GDL einen Notdienstplan mit Nennung der Streikposten - wie bei bisherigen Streiks üblich. Dazu sieht Russ keine Veranlassung. Dass nur eine Hälfte der Fahrer streike, ermögliche Überraschungsszenarien. So könnte zum Schichtwechsel der nächste U-Bahn-Fahrer einfach nicht erscheinen.

Russ kündigte auch Widerstand gegen eine Umfrage der Arbeitgeber an, die die Zugehörigkeit zur GDL abfragen soll. Laut Stadtwerken allein zu dem Zweck, ihre gesetzliche Pflicht zu erfüllen, den Nicht-GDL-Mitgliedern das neue Tarifgehalt zu überweisen. Die Rechtslage ist strittig, denn bisher durften Arbeitgeber nicht nach der Gewerkschaft fragen. Kolja Kröger

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