München - Die Ludwig-Maximilians- Universität will künftig Imame ausbilden. Einem Islam-Lehrstuhl gegenüber sei er „sehr aufgeschlossen“, sagte LMU-Präsident Bernd Huber.

© Schörner
Benjamin Idriz, Penzberger Imam, kämpft für eine Imam-Schule in München. Nun erhält er Rückenwind vom Wissenschaftsrat.
München sei „mit zwei theologischen Fakultäten und dem größten Lehramtsstudiengang im Bereich Theologie ein sehr guter Standort“, betonte Huber. Ein Lehrstuhl, der islamische Religionslehrer und Geistliche – Imame – ausbildet, sei eine „wichtige gesellschafts- und hochschulpolitische Aufgabe“. Allerdings werde die Hochschule „diese Aufgabe nur angehen, wenn eine nachhaltige, dauerhafte Finanzierung gesichert ist“, so Huber. Bislang ist beim Bund von einer Anschubfinanzierung für einige Jahre die Rede.
Islam-Lehrstühle soll es nach dem Willen des Wissenschaftsrats in Köln zunächst an zwei bis drei Hochschulen geben. Das sei der „beste Weg, die wissenschaftliche Qualität von Forschung und Lehre zu sichern und eine verlässliche theologische Basis für den interreligiösen Dialog zu schaffen“, so der Rat, der das wichtigste Beratungsgremium von Bund und Ländern in der Hochschulpolitik ist. Neben der LMU haben schon Universitäten aus Münster, Heidelberg, Tübingen und Osnabrück Interesse an einem Institut für Islamstudien bekundet.
Um das Vorhaben in München umzusetzen, seien neben der Finanzierung viele schwierige inhaltliche Fragen zu klären, sagte LMU-Präsident Huber. Unter anderem geht es um die Zusammensetzung der Beiräte, die der Wissenschaftsrat empfiehlt. Sie sollen bei der Gestaltung der Studiengänge mitreden und bei der Auswahl von Wissenschaftlern religiöse Einwände erheben können. Den Beiräten sollen muslimische Verbandsvertreter, Gelehrte und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens angehören.
Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) gibt sich in puncto Islam- Lehrstuhl zurückhaltend. Zunächst müssten die Universitäten „mögliche Ansätze entwickeln, auf deren Basis tragfähige gemeinsame Konzepte“ möglich würden, so Heubisch.
Grund für die „abwartende Haltung“ des Ministeriums sei der zu erwartende „schwierige Abstimmungsprozess“, sagte eine Sprecherin. Vor allem müsse ausgelotet werden, „wer auf muslimischer Seite Ansprechpartner sein könnte“. Bereits am Dienstag hatten die Grünen im Stadtrat gefordert, der Freistaat müsse an der Ludwig-Maximilians- Universität „eine Ausbildung für Imame und islamische Religionslehrkräfte“ ermöglichen. In München lebten 100 000 Muslime – die drittgrößte Glaubensgemeinschaft der Stadt.
von Carolin Wörmann
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