München - Drei Tage nach Ende der Fußball-Weltmeisterschaft, am 14. Juli, wird der Fußball-Fan Rainer Schießler den Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm (26) und dessen Verlobte Claudia Schattenberg (25) in Aying verheiraten.

Philipp Lahm (26) und Claudia Schattenberg (25)
Aufgeregt ist der 49-jährige Pfarrer des Glockenbachviertels deswegen nicht - er hat nur ein Problem: Er soll kein Wort über Fußball verlieren.
Herr Pfarrer, Philipp Lahm wohnt in Bogenhausen, seine Hochzeit findet in Aying statt - wissen Sie, warum er für die Trauung gerade auf den Pfarrer vom Glockenbachviertel gekommen ist?
Vielleicht wegen der Nähe unserer Geburtsorte? Er ist ein Neuhauser, ich ein Laimer. Aber genau weiß ich es auch nicht. Enrico de Paruta, der in Lahms Nachbarschaft wohnt und die Hochzeit plant, hat mich angerufen. Klar mach’ ich das, hab’ ich gesagt. Herr Lahm muss bloß damit klarkommen, dass ein „Blauer“ ihn traut (lacht).
Richtig, Sie sind ja Sechzger-Fan. War das ein Problem für den Bayern-Spieler Lahm?
Lahm und seine Claudia waren bereits zum Ehe-Gespräch bei Ihnen. Was haben Sie für einen Eindruck von den beiden?
Das sind zwei richtig sympathische junge Leute, die sich von der Aufregung um sie herum gar nicht aus der Ruhe bringen lassen. Philipp Lahm ist so ein einfacher, zurückhaltender, sympathischer Typ - der wird die Ehe genauso souverän meistern wie sein Amt als Nationalmannschaftskapitän, da bin ich sicher. Mit einem überkandidelten Promi hätte ich wahrscheinlich auch meine Probleme gehabt.
Haben Sie davor schon mal einen Prominenten verheiratet?
Für mich ist jeder, der heiratet, ein Prominenter - vor dem lieben Gott.
Ein Problem? Also wenn das in Zeiten von Mixa noch jemand als Problem ansehen sollte . . . Nein, es ist eine konfessionsverbindende Ehe, ein echter Gewinn. Darum gibt es aber keine Messe, sondern einen Wortgottesdienst.
Mit welcher Bibelstelle werden Sie das Paar in den Bund der Ehe führen?
Die beiden haben sich das „Hohelied der Liebe“ ausgesucht, aus dem ersten Brief von Paulus an die Korinther. Das passt natürlich wunderbar, denn bei Paulus geht es um einen Rückzug ins Private - wie bei den beiden ja auch: Ihre Hochzeit ist kein Show-Ereignis. Anders als beispielsweise die von Michael Ballack in Starnberg, da sollen die Sichtschutz-Planen ja dünn wie String-Tangas gewesen sein.
Wissen Sie schon, was Sie predigen?
Natürlich wird’s in der Predigt um Fußball gehen, nehme ich an?
Tja, Philipp Lahms Bedingung war: Kein Wort über Fußball! Aber die Ehe ist ein Mannschaftssport, wie soll ich da keine Fußball-Bildsprache verwenden? Also habe ich mir überlegt: Entweder ich stelle - wie in der TV-Sendung „Doppelpass“ - ein Phrasenschwein auf, in das ich Geld werfe, sollte ich mich fußballerisch verplappern - oder ich zünde dann jeweils eine Kerze an. Da muss ich noch Teelichter kaufen, fürchte ich.
Oder Sie probieren es doch, ohne für Fußball zu schwärmen.
Ohne Schwärmerei? Aber es ist doch so: Der Verstand wird nie heiraten - es ist die Liebe, die andauernd bei mir vorm Altar umeinanderhockt. Das bedeutet natürlich nicht ewige Flitterwochen. Die Ehe ist ein Geschenk, sagt Paulus - aber eines, das zur Aufgabe wird. Sie wird nur klappen, wenn man ständig aufs Neue trainiert . . . Oh, ich glaube, ich muss schon wieder eine Kerze anstecken.
Interview: Johannes Löhr
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