München - Die Zeitarbeit ist in die Kritik geraten. Einige Unternehmen missbrauchen das Instrument, um Niedriglöhne durchzusetzen. In München steigt die Zahl der Leiharbeiter stetig. Gewerkschaftsvertreter kennen auch hier Fälle von Lohndumping.

Leiharbeiter sollen nur Produktionsspitzen abfangen, aber keine Stamm-Arbeitsplätze ersetzen. Foto: dpa
„Wir haben momentan mit einem schlechten Image zu kämpfen“, räumt Kai Thiele, Sprecher des Bundesverbands Zeitarbeit (BZA) für die Region Süd, ein. Von den schwarzen Schafen der Branche möchte er sich mit seiner Agentur „World of Staff“ distanzieren. „Zeitarbeit soll den Unternehmen bei Produktionsspitzen helfen“, erklärt er.
Dass das von einigen Unternehmen aber offenbar ausgenutzt wird, beobachtet der Münchner DGB-Vorsitzende Christoph Frey mit wachsender Sorge. „Es gibt auch in München einige Betriebe mit hohen Leiharbeiterquoten“, berichtet Frey. So habe beispielsweise ein Elektrounternehmen bis Ende 2008 fast ein Drittel seiner Belegschaft über eine Zeitarbeitsfirma angestellt. Anfang 2009 – als die Wirtschaftskrise das Unternehmen fest im Griff hatte – wurden die mehr als 400 Leiharbeiter auf einen Schlag entlassen.
In anderen Fällen sei es auch vorgekommen, dass Mitarbeiter aus Unternehmen der Metallbranche entlassen und drei Monate später über eine Zeitarbeitsfirma wieder eingestellt wurden. Dabei handele es sich aber nur um Einzelfälle“, versichert der IG-Metall-Chef.
Leiharbeiter werden aber nicht nur in der Produktion, sondern mittlerweile auch verstärkt im Dienstleistungssektor und in der Verwaltung eingesetzt. Nach Angaben des BZA mache dieser Anteil mittlerweile 31 Prozent aus. Gerade im kaufmännischen und Pflegebereich würden gerade verstärkt Zeitarbeiter gesucht, sagt Thiele.
Dass seit 2003 die Zahl der Arbeiter auf Zeit in München stetig steigt, findet DGB-Chef Christoph Frey „noch nicht so dramatisch“. Jedoch sehen die Gewerkschaften die Gefahr, dass sich im wirtschaftlichen Aufschwung die Zahl der Jobs für Leiharbeiter „sogar verdoppelt“, sagt Frey. Unternehmen würden viele der weggefallenen Arbeitsplätze durch billigere Leiharbeiter ersetzen.
„Die verdienen gar nicht so viel weniger“, wendet Kai Thiele ein. Ein Uni-Absolvent habe bei ihm immer noch zwischen 1600 bis 1800 Euro netto in der Tasche. Doch IG-Metall-Chef Leppek ist ganz anderer Meinung: „Sowohl ein ungelernter Montagehelfer als auch ein Ingenieur bekommen als Grundgehalt die Hälfte dessen, was ein Festangestellter bekommt.“ Mit steuerfreien Leistungen wie Fahrtkostenerstattung oder Verpflegungsgeld könnte das Netto-Einkommen dann aufgestockt werden. „Mit den Billiglöhnen wird dann auch die Stammbelegschaft unter Druck gesetzt“, sagt Leppek.
Deshalb kämpft der Gewerkschaftsbund heute für bessere Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter. Ein kleiner Erfolg: Am Dienstag einigten sich BZA und DGB auf eine Lohnerhöhung von je 2,5 Prozent zum 1. Mai 2010 und 2011.
Kerstin Lottritz
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