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Zirkus: Folgt München Kassel beim Wildtier-Verbot?

Zirkus: Folgt München Kassel beim Wildtier-Verbot?

München - Münchner Stadträte fordern ein Verbot von Wildtieren im Stadtgebiet. Doch andere Städte scheinen bereits einen Schritt weiter zu sein. Kassel zum Beispiel.

© bod

„Unnötige Belustigung“: Münchner Stadträte fordern das Verbot von Wildtieren im Zirkus.

Die Diskussion um das Verbot von Wildtieren in Zirkussen gewinnt an Fahrt. Die Stadt Kassel hat in der vergangenen Woche eine Liste von Arten verabschiedet, die ein Zirkus aus Tierschutzgründen nicht dabei haben darf, will er auf städtischem Grund Station machen. Für die Münchner Räte Evelyne Menges (CSU), Florian Vogel (Grüne), und Nadja Hirsch (FDP), die ein Verbot von Wildtieren auch an der Isar fordern, sind die Hessen ein Vorbild.

Wie berichtet hat Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle einem generellen Verbot von Zirkustieren wie Raubkatzen, Elefanten oder Giraffen in München eine Absage erteilt: „Das ist Sache des Bundes.“ In der Vergangenheit wurden mehrere Verbotsanträge im Bundesrat jedoch abgelehnt.

Kassel zeigt nun, wie’s gehen kann. Dort stellt die Stadt Bedingungen an Zirkusse, die auf ihren Flächen gastieren wollen – und zwar in ihrer Eigenschaft als Vermieter: „Unsere Experten haben untersucht, welche Tiere sich ihrem natürlichen Verhalten nach nicht in einem Zirkus halten lassen“, sagt Bürgermeister Thomas-Erik Junge (CDU). Wer etwa mit Tigern, Bären oder Flusspferden anrücken will, hat in Kassel Pech. Die Regelung gilt ab 2010.

Menges und Vogel wollen dem nacheifern. In der Sitzung des Kreisverwaltungsausschusses am 23. Juni werden sie den von Blume-Beyerle abgeschmetterten Antrag um eine neue Variante ergänzen – um ebenfalls über die Flächennutzungsordnung ihr Ziel zu erreichen. „Kassel ist ein tolles Signal“, sagt Vogel. Und Menges betont: „So wie ein Musiker in der Fußgängerzone nicht gewerbsmäßig spielen darf, muss es doch möglich sein, dass die Stadt einem Zirkusbetrieb Vorschriften machen darf, wenn er auf ihrem Grund gastiert.“

Der Circus Krone wäre davon kaum betroffen – er tritt in München meist auf Privatgrund auf. Dennoch reagiert Chefin Christel Sembach-Krone verärgert auf die Debatte. In einem Brief an Blume-Beyerle spricht sie von „Kampagnen, übler Nachrede, Geschäftsschädigung“. Das ARD-Magazin „Report Mainz“ hatte fragwürdige Methoden der Tierhaltung auf einer Tournee vermeldet, auch die Organisation PETA hatte den Zirkus angeprangert. Sembach-Krone betont: Es habe zwei Kritikpunkte gegeben, die aber „Momentaufnahmen“ gewesen und mittlerweile behoben seien. Es sei „nicht nachvollziehbar, dass sich einige Ratsmitglieder mit dieser Vehemenz hinter die Anliegen der Tierrechtsaktivisten und -extremisten stellen“.

Menges beschwichtigt: Krone sei ein „wundervoller Zirkus“. Aber: „Die Zeiten sind vorbei, wo wir Menschen zur Belustigung Elefanten im Kopfstand benötigt haben.“ Krone solle sich an Konzepten wie dem Cirque de Soleil oder „Roncalli“ orientieren, die ohne Wildtiere auskämen.

Im Kreisverwaltungsreferat will man vor der Ausschusssitzung nichts zum Thema sagen. Nur so viel: „Wir kennen das Kasseler Modell.“ Stadtrat Josef Assal von der SPD betont, das Traditionsunternehmen Krone solle nicht angetastet werden. So lange es in dem Antrag aber um städtischen Grund und somit um Wanderzirkusse gehe – „dafür wären wir zu haben“.

von Johannes Löhr

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