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Zweite Stammstrecke: Skepsis in der Landtags-CSU

Zweite Stammstrecke: Skepsis in der Landtags-CSU

München - Mehrere Münchner Abgeordnete wollen Alternativen zum zweiten S-Bahn-Tunnel prüfen. Eine Entscheidung im Bezirksvorstand steht am Montag an.

Das Projekt zweite S-Bahn-Stammstrecke spaltet die Münchner CSU. Immer mehr Stimmen – insbesondere aus der Landtagsfraktion – äußern sich skeptisch gegenüber dem Tunnelbau, den das Verkehrsministerium seit Jahren plant. Sie wollen im Landtag durchsetzen, dass der Freistaat auch Alternativen ernsthafter prüft. Heute wollen sich Bezirksvorstand und Rathaus-Fraktion auf eine Position einigen.

Der Konflikt kommt überraschend – hatte doch die CSU-dominierte bayerische Staatsregierung die Planungen für den zweiten Stammstreckentunnel in den vergangenen Jahren stets vorangetrieben. Die ehemaligen CSU-Verkehrsminister Erwin Huber und Emilia Müller standen zu dem Projekt und auch unter dem aktuellen Amtsinhaber Martin Zeil (FDP) ist das Ministerium derzeit der Ansicht, dass der Tunnel seinen Alternativen weit überlegen ist. Die aktuellste Planungsvariante wurde vor wenigen Wochen vom Kabinett gebilligt.

Doch in der Landtagsfraktion rumort es. Mehrere Mitglieder äußerten sich gegenüber unserer Zeitung skeptisch: „Die Fragezeichen beim Projekt ,zweiter S-Bahn-Tunnel‘ sind in der letzten Zeit deutlich größer geworden“, sagt der Münchner CSU-Abgeordnete Markus Blume. Fraglich sei unter anderem, ob der Nutzen, den der Tunnel für den Verkehr bringe, im Verhältnis zu den Kosten des Projekts stehe. Auf rund 1,64 Milliarden Euro schätzt die Bahn derzeit den Preis des Tunnelbaus. Zudem, so Blume, gebe es nun interessante Alternativpläne. Er nannte etwa den Ausbau des Bahn-Südrings mit drei S-Bahn-Haltestellen, aber auch den Nordtunnel vom Hauptbahnhof über Münchner Freiheit und Parkstadt Schwabing. Beide Varianten hatte zuletzt das Verkehrsplanungsbüro Vieregg-Rössler ins Spiel gebracht. Wichtig sei es nun, auch diese Alternativen gleichwertig zu prüfen, bevor man sich vorschnell auf den Stammstrecken-Tunnel festlege.

Noch deutlicher wird Blumes Fraktionskollege Thomas Zimmermann: „Letztlich entscheidet die finanzielle Situation – und da sieht es für mich persönlich so aus, als sei die Südring-Lösung leichter realisierbar“. Laut Vieregg-Rössler soll sie nur rund 400 Millionen Euro kosten. Zimmermann sagte, er könne sich gut vorstellen, dass CSU-Abgeordnete künftig auf ein Umdenken im Freistaat hinwirken. Auch der Abgeordnete Joachim Unterländer (CSU) sprach sich dafür aus, „die ganze Palette an Alternativen intensiv zu prüfen“.

Am Montag will sich nun in zwei Sitzungen zunächst der Münchner Bezirksvorstand und dann die Rathaus-CSU eine Meinung bilden. Wie die Debatten ausgehen, ist offen, denn auch die CSU-Stadträte sind gespalten. In ihren Reihen gibt es erklärte Gegner des zweiten Tunnels, wie Georg Kronawitter. Er befürwortet stattdessen eine Verlängerung der U-Bahn nach Pasing. „Das würde die bestehende Stammstrecke auch entlasten – und wäre weit kostengünstiger“. Doch laut Fraktionschef Josef Schmid gibt es auch viele namhafte Stadträte, die den Tunnel befürworten. Er selbst wollte sich vor der Abstimmung noch nicht äußern. Eins sei jedoch klar: „Ein Votum, das nur die Stammstrecke als der Weisheit letzter Schluss preist und alle Alternativen als Blendwerk bezeichnet, wird es nicht geben“.

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