München - Das bayerische Wirtschaftsministerium verschiebt den umstrittenen Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels durch die Münchner Innenstadt immer weiter nach hinten.
Als möglichen Zeitpunkt der Fertigstellung nannte ein hoher Beamter des Ministeriums gestern bei der Sitzung des Regionalen Planungsverbands „frühestens Ende 2019“. Zuletzt war das Jahr 2018 als Jahr der Fertigstellung genannt worden.
Grund für die Verzögerung sei, dass Freistaat und Deutsche Bahn vereinbart hätten, „auf kostenträchtige Beschleunigungsmaßnahmen“ zu verzichten, sagte Hans Peter Göttler, der Leiter der Verkehrsabteilung im Wirtschaftsministerium. Zugleich machte Göttler deutlich, dass die Staatsregierung ungeachtet der ungeklärten Finanzierung an dem Großprojekt festhalten will, dessen Kosten Göttler auf etwa zwei Milliarden Euro bezifferte. Der Tunnel sei „Kernstück“ des sogenannten „Bahnknotens München“, den Ministerrat und Landtag beschlossen hätten. Es gebe „kein auch nur annähernd gleichwertiges Alternativkonzept“. Bei seinen Ausführungen zur Finanzierung versprühte Göttler wenig Optimismus. Die Stadt München sei nach wie vor nicht bereit, den Tunnel mit 350 Millionen Euro vorzufinanzieren. „Die Positionen stehen sich gegenüber, wie es zu erwarten war.“
„Sie werden diese Debatte nicht los werden“, hielt ihm der Puchheimer Bürgermeister Herbert Kränzlein (SPD) entgegen. Er bezeichnete es als nicht mehr nachvollziehbare „Taktik“, den S 4-Ausbau an den Tunnel zu koppeln.
Weiter gediehen ist die Planung der Neufahrner Kurve. Hier finden kommende Woche zwei Anhörungen zum Planfeststellungsverfahren statt. Ende 2016 könnte das Gleisstück fertig sein, sagte Göttler. Dann wäre eine Anbindung der Regionalzüge aus Landshut und Regensburg an den Flughafen-Bahnhof möglich. Nur wenig Hoffnungen machte Göttler hingegen den Pendlern aus dem Raum Dorfen/Mühldorf. Weder für die Elektrifizierung noch für den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke gebe es Geld oder auch nur einen Zeitplan. Den Einsatz von Hybrid-Loks, die wahlweise auf Strom/Diesel umschalten können, nannte Göttler „kaum vorstellbar“. Solange aber die Mühldorfer Strecke nicht ertüchtigt sei, mache auch die Walpertskirchner Spange, also die Ost-Anbindung an Erding/Flughafen, keinen Sinn.
Dirk Walter
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