München - Wird die zweite Stammstrecke doch teurer als gedacht? Die Staatsregierung erhöht Ansatz im Nachtragshaushalt um fast 200 Millionen Euro, spricht aber von „reiner Vorsorgemaßnahme“.

Vorsicht! Die Grünen befürchten, dass der zweite S-Bahn-Tunnel finanziell ein Fass ohne Boden wird. foto: klaus haag
Geht es um den Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels durch die Münchner Innenstadt, hat das Verkehrsministerium schon viele Zahlen genannt und wieder korrigiert – meist nach oben. Umso erstaunlicher, dass das Vorhaben zuletzt mit 1,52 Milliarden Euro günstiger wurde. Nun aber könnten die Kosten erneut steigen. Die Staatsregierung hat ihren im Haushalt vorgemerkten Anteil um fast 200 Millionen Euro auf 936 Millionen erhöht. Zusammen mit dem Part, den der Bund zu tragen hat, könnten die Kosten so auf rund zwei Milliarden Euro klettern, vermuten die Grünen im Landtag.
Von den 600 Millionen Euro, auf die das Vorhaben noch 2001 taxiert worden war, ist jedenfalls längst nicht mehr die Rede. Zwischenzeitlich stieg die Summe sogar auf mehr als das Dreifache, nämlich 1,85 Milliarden Euro. Wegen eines zu schlechten Nutzen-Kosten-Faktors stand das Projekt da bereits vor dem Aus. Nachdem unter dem Stadtteil Haidhausen auch der Tunnelast in Richtung Süden den Sparplänen zum Opfer fiel, hatten Gutachter zuletzt Kosten von 1,52 Milliarden Euro ermittelt, einige netzergänzende Maßnahmen mit eingerechnet.
Das Verkehrsministerium wies die Bedenken zurück. „Die Verpflichtungsermächtigung wurde als reine Vorsorgemaßnahme erhöht, um eine inflationsbedingte Kostenentwicklung bis zur Inbetriebnahme des Tunnels zu berücksichtigen“, sagte eine Sprecherin. „Der Nutzen-Kosten-Faktor für den S-Bahn-Tunnel beträgt stabil 1,15.“
Wie berichtet, wird morgen der Landtag bei einer Expertenanhörung über die Zukunft des Verkehrsknotens München debattieren. Dabei sollen auch die Alternativen eines Nordtunnels Richtung Schwabing und der Ausbau des Bahn-Südrings untersucht werden. Der Regionale Planungsverband betonte unterdessen, dass an dem zweiten S-Bahn-Tunnel kein Weg vorbei führe.
Matthias Kristlbauer
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