Es klang dramatisch, was die Stadtwerke der Landeshauptstadt München (SWM) vergangene Woche mitzuteilen hatten. „SWM legen Erneuerbare-Energien-Projekte in Deutschland auf Eis“, polterte der Großanleger, nachdem der Bund auf die Strompreisbremse getreten war. Investieren wollen die Stadtwerke aber offensichtlich weiterhin in Berg. Über den Wadlhauser Gräben weht der Wind bekanntlich mit mehr als fünf Meter pro Sekunde recht rentabel. „Die sich in einer frühen Phase befindlichen Projektprüfungen im Landkreis Starnberg mit der Gemeinde Berg werden vorbehaltlich einer späteren Investitionsbereitschaft fortgeführt“, erklärte der Energieversorger nun auf Anfrage.
Unversöhnlich steht derweil die Gemeinde Schäftlarn den Berger Plänen gegenüber, weil ihr die Windräder an der Gemeindegrenze vor die Nase gesetzt werden sollen. „Berg plant ohne Rücksicht auf Verluste“, sagt Schäftlarns Bürgermeister Dr. Matthias Ruhdorfer (CSU). „All die Nachteile, die die Berger nicht wollen, haben nun unsere Bürger.“ Als Beispiele nennt er neben der landschaftlichen Veränderungen den zu erwartenden Lärmpegel und den Schattenwurf der Anlagen. Auf Wunsch des Gemeinderates hat Ruhdorfer nun eine Normenkontrollklage beim Verwaltungsgerichtshof in München eingereicht. An der genauen Begründung feilt noch ein Anwalt.
Für den Berger Rathauschef Ruppert Monn ist das ein Schlag ins Gesicht. „Ich war bei all den Protestveranstaltungen in der Nachbargemeinde und habe den Schäftlarner Bürgern gesagt, dass sie mit einer Klage genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie wollen“, sagt Monn. Denn kommt der Berger Teilfächennutzungsplan zu Fall, tritt die gesetzliche Regelung in Kraft. Dann dürfen in einem Abstand von nur 600 Meter zur Wohnbebauung bis zu 200 Meter hohe Windräder gebaut werden. Die Berger Anlagen wären zwischen 1200 und 1450 Meter entfernt.
Trotz allem bleibt Monn gelassen. Denn er rechnet nicht damit, dass die Klage des Nachbarn Erfolg haben wird. Und eine aufschiebende Wirkung habe sie auch nicht. In dieser Woche trifft sich der Bürgermeister einmal mehr mit Vertretern der Stadtwerke. „Ein Sondierungsgespräch auf höherer Ebene“, nennt es der Rathauschef. Gespannt ist Monn auch auf das Ergebnis der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (SAP), die heuer vom Frühjahr bis in den Herbst Aufschluss über Vorkommen und Gefährdung verschiedener Vogelarten in den Wadlhauser Gräben geben soll. Monn: „Es ist entscheidend für das weitere Vorgehen.“
Mit einem Baubeginn des rund 18 Millionen Euro teuren Projekts rechnet Monn nicht vor Ende 2014. Davor steht noch die Gründung einer Betreibergesellschaft. Der Bürgermeister wünscht sich, dass sich die Bürger über die Energiegenossenschaft miteinbringen.
Jörg von Rohland

















