Heute kann Laeticia Mabilais Esteve über ihren ersten Schultag lachen. Doch im September war ihr ganz anders zumute. Etwas nervös betrat die Gastschülerin ihre neue Schulklasse im Landschulheim Kempfenhausen. Der Lehrer setzte die 17-Jährige gleich in die erste Reihe. Da saß sie dann wie auf dem Präsentierteller. „Ich konnte kaum sprechen und verstand fast nichts“, erzählt die US-Amerikanerin. „Und die Schüler waren distanziert.“
Mittlerweile sind fünf Monate vergangen und Leaticia hat sich trotz anfänglicher Schwierigkeiten gut eingewöhnt. In der Schule hat sie Freunde gefunden und auch die Sprache ist kein Problem mehr. „In Deutsch lesen wir gerade ,Die Räuber‘ von Friedrich Schiller“, erzählt sie. „Da tue ich mich noch schwer, mit dem Altdeutsch. Aber sonst geht es gut.“
Bei der Eingewöhnung haben Laeticia vor allem ihre Gasteltern, Lydia und Peter Lory, geholfen. Kennengelernt hat sie die Starnberger über den American Field Service, eine amerikanische Austauschorganisation. Die Lorys wollten einem jungen Menschen die Möglichkeit bieten, Starnberg kennenzulernen. Laeticia wollte ihr Schuldeutsch verbessern. So kam sie aus dem fernen Philadelphia nach Bayern.
„Ich finde es hier so schön“, schwärmt Laeticia. „Diese Landschaft mit den Alpen und den Seen, so etwas habe ich noch nie gesehen. Und das Essen schmeckt so gut.“ Auch ihren ersten Besuch auf dem Oktoberfest wird Laeticia nie vergessen. Dieser Duft nach gebrannten Mandeln, die Musik der Fahrgeschäfte, die Spielbuden und die vielen Menschen in Tracht, das hat sie beeindruckt. „Ich wollte gar nicht mehr nach Hause gehen“, schwärmt die 17-Jährige. In den USA hatte sie schon von der Wiesn gehört. „Doch ich hätte nicht gedacht, dass es so groß ist. Es ist wie Carneval.“ Einige Tage später kaufte sie sich in Starnberg ein rotes Dirndl, um noch weitere drei Mal auf die Wiesn zu gehen.
Heimweh hatte sie in dieser Zeit selten. Weihnachten war so ein Moment, an dem sie ihre Eltern und die beiden Schwestern vermisste. Da fielen ihr all die Unterschiede auf, zwischen Deuschland und Amerika. „Die Deutschen schmücken nicht so viel“, sagt sie. In Amerika würden ihre Nachbarn die Häuser mit vielen bunten Lichtern behängen und Figuren aufstellen. Ihre Eltern in den USA würden diesen Brauch aber nicht so pflegen. „Mein Vater ist Franzose und meine Mutter Spanierin. Die vergessen oft zu schmücken“, sagt sie. „Dann sieht unser Haus so traurig aus.“
Zu Deutschland passt aber der spärliche Schmuck, findet Laeticia. „Die Deutschen achten schließlich mehr auf die Umwelt als wir“, stellt sie fest. Sie würden Strom sparen, Solaranlagen bauen und Recyclen. „Allein das System mit den Pfandflaschen finde ich so intelligent“, sagt Laeticia. Wenn sie im Juli wieder zurück in den USA ist, möchte sie dort mehr auf die Umwelt achten. Doch auch ihre Rückkehr nach Bayern hat sie schon geplant: „Ich möchte auf alle Fälle die Lorys wiedersehen und auf die Wiesn gehen.“




















