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Am Sarg des Urgroßonkels: Otto von Habsburg im Jahr 2003 in der Wiener Kapuzinergruft, in der er nun auch selbst die letzte Ruhe finden wird.

Otto von Habsburg: Die größte Trauerfeier seit Strauß

München - Es soll die größte Trauerfeier in Bayern seit dem Tod von Franz Josef Strauß werden. Die CSU plant für Otto von Habsburg einen Trauerzug und einen Empfang mit 600 Gästen. So soll nicht nur der Verstorbene gewürdigt, sondern auch die Größe des Freistaats demonstriert werden.

Otto von Habsburg hat eine lange letzte Reise vor sich. Der Kaisersohn hat nie selbst regiert, doch seine Familie und die CSU bereiten ihm einen Abschied, der eines Herrschers würdig wäre. Vor der Bestattung in der Wiener Kapuzinergruft werden zu Ehren des Toten vier Requien abgehalten, er wird mit seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Frau wieder vereint – und er wird sein Herz verlieren. Denn das, so will es ein uralter Brauch, wird in Ungarn beerdigt.

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Trauer um Otto von Habsburg

Die Trauerfeierlichkeiten erstrecken sich über eine ganze Woche. Den Auftakt macht Ende dieser Woche ein Requiem in Pöcking am Starnberger See, wo Otto von Habsburg bis zuletzt lebte (siehe Artikel unten). Bereits ab heute Mittag wird der Verstorbene nach Aussage einer Sprecherin in der örtlichen Sankt-Ulrichs-Kirche für drei Tage aufgebahrt, das Gotteshaus bleibe rund um die Uhr geöffnet. Am nächsten Montag wird der Leichnam nach München überführt. In der Theatinerkirche findet zunächst eine Totenwache statt, ab 10 Uhr hält dann Kardinal Reinhard Marx ein Pontifikalrequiem.

Otto von Habsburg: Bilder seines Lebens

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In der Theorie ist der Gottesdienst zwar frei zugänglich, in der Praxis werden wohl vor allem geladene Gäste in der Kirche Platz finden. Das Requiem wird aber auf einer Großbildleinwand auf dem Odeonsplatz gezeigt. Dort nimmt der Kardinal nach der Totenmesse eine öffentliche Aussegnung vor, Gebirgsschützen aus Bayern, Tirol und Südtirol schießen den Ehrensalut.

Die anschließende Trauerfeier im Kaisersaal der Residenz kommt einem Staatsakt gleich. Sie wird aber nicht von der Regierung ausgerichtet – das wäre gar nicht möglich, da von Habsburg nie ein Staatsamt innehatte – sondern von der CSU, für die er 20 Jahre lang im Europaparlament saß.

600 Gäste lädt Parteichef Horst Seehofer ein, darunter Angehörige von Otto von Habsburg, Vertreter der Wittelsbacher, Spitzenpolitiker aus ganz Europa sowie Mitglieder des Malteserordens und der Ritter vom Goldenen Vlies: Ein wahres Großaufgebot von Adel und Prominenz, das – so hofft man in der CSU – den Freistaat in majestätischem Licht erscheinen lassen wird.

Dann verlässt Otto von Habsburg für immer Bayern, das seit 1954 seine Heimat war. Bei einem Requiem im österreichischen Wallfahrtsort Mariazell wird sein Sarg am Mittwoch der nächsten Woche mit dem seiner Frau Regina zusammengeführt. Sie war im Februar 2010 gestorben und zunächst auf der Veste Heldburg in Thüringen beigesetzt worden. Nun wird sie umgebettet.

In Wien, von wo aus Otto von Habsburgs Vorfahren bis 1918 regierten, findet die Reise am 16. Juli ihr Ende. Nach einem Requiem im Stephansdom werden beide Särge in der Kapuzinergruft, der Kaisergruft der Habsburger, beigesetzt. Das Herz des Kaisersohns allerdings hat einen weiteren Weg vor sich. Es wird nach Auskunft des Habsburg- Biografen Stephan Baier am 17. Juli im ungarischen Kloster Pannonhalma beerdigt. Das, sagt Baier, entspreche der Tradition der Familie.

Die Kapuzinergruft: Ruhestätte der Habsburger

Die Kaisergruft unter der Kapuzinerkirche in der Wiener Innenstadt ist die Familiengruft der Habsburger. Sie wird jährlich von mehreren 100.000 Touristen besucht und besitzt großen kunsthistorischen Wert. Die Ruhestätte der Habsburger wurde von Kaiserin Anna (1585-1618) gestiftet. Nach der Fertigstellung 1633 wurden die Gebeine der Stifterin Anna und ihres Mannes Kaiser Matthias (1557-1619) als Erste darin beigesetzt. Zwölf Kaiser und 19 Kaiserinnen dreier Jahrhunderte liegen dort. Die Särge sind kunsthandwerklich gestaltet und zum überwiegenden Teil in Zinn ausgeführt. Der spätbarocke Doppelsarkophag von Kaiser Franz I. und Maria Theresia gilt als künstlerisch besonders bemerkenswert. Im Laufe der Jahrhunderte kamen mehrere Erweiterungsbauten dazu, etwa die im Rokokostil ausgeführte Maria-Theresien- Gruft. Unter großer internationaler Aufmerksamkeit wurde im Jahr 1989 Kaiserin Zita in der Familiengruft bestattet. Zuletzt wurde Carl Ludwig Habsburg-Lothringen, Sohn Zitas und Karls I., am 12. Januar 2008 dort beerdigt. Insgesamt haben 146 Mitglieder des Herrscherhauses in der Gruft ihre letzte Ruhe gefunden.

Von Andreas Zimniok

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