Wegen Naturphänomen

Verzögertes Hochwasser am Starnberger See

Starnberg - Von „Leinen los“ kann derzeit keine Rede sein: Während in Bayern das Hochwasser gebannt scheint, ist die Schifffahrt am Starnberger See wegen des hohen Wasserstands nur noch sehr beschränkt möglich. Grund: ein Naturphänomen.

„Hochwasser“ – mit einer handgemalten Kreidetafel weist die Seenschifffahrt am Schiffssteg in Starnberg derzeit auf eine Misere hin: Nur die Ringlinie fährt im Moment, wobei die Schiffe „Starnberg“ und „Seeshaupt“ aber nur in Starnberg und Tutzing halten. Alle anderen Orte, etwa Berg, Leoni oder Seeshaupt, können nicht angefahren werden. Die kleineren Schiffe bleiben fest vertäut am Ufer. Grund ist, dass durch den hohen Wasserstand die Übergangsbrücken vom Steg aufs Schiff immer steiler werden. „Dies macht den Ein- und Aussteigevorgang an vielen Stegen zu einem gefährlichen Unterfangen, so dass die Sicherheit der Fahrgäste nicht mehr durchgängig gewährleistet werden kann“, erklärt die Schifffahrtsverwaltung.

Wann die anderen Häfen wieder für die Schifffahrtsflotte geöffnet werden, ist derzeit nicht absehbar. „Wir wagen keine Prognose“, heißt es. Sicher noch bis zum Wochenende werde es keine Änderung am Rumpffahrplan geben.

Kleines Erschwernis für Passagiere, die in die „Seeshaupt“ in Starnberg zusteigen: Der Seespiegel ist erhöht, so dass die Einstiegsrampen sichtbar in Schräglage sind. Nur zwei Schiffe fahren derzeit.

Hochwasser am Starnberger See, während überall sonst in Bayern langsam der Normalzustand einkehrt – warum ist das so? Walter Schramm vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim kennt seinen See: Der Starnberger See ist ein Unikat unter den bayerischen Seen, sagt er. Das Gewässer ist aufgrund seiner großen Tiefe (bis zu 127,8 Meter) vom Volumen her gesehen der wasserreichste See Bayerns. Er enthält im Schnitt fast 3000 Millionen Kubikmeter Wasser – in Deutschland ist nur der Bodensee voluminöser. Da der Starnberger See nur einen kleineren Fluss – die Würm – als Abfluss hat, wird das Seewasser nur sehr langsam ausgetauscht. Im Schnitt dauert es 21 Jahre, bis das Wasser einmal komplett „durch“ ist.

Wegen seiner Höhenlage hat der Starnberger See auch keinen großen Zufluss – vergleichbar der Ammer am Ammersee, wo die Schifffahrt derzeit übrigens ohne Einschränkungen möglich ist. Nur etwa drei Kubikmeter je Sekunde fließen dem Starnberger See von Bächen und Gräben zu, das Gros seiner Zuflüsse bekommt der See durch unterirdische Quellen, die aufgrund der jüngsten Niederschläge nunmehr sehr stark sprudeln, wie Schramm sagt.

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Wann der See wieder auf seinen normalen Wasserspiegel zurücksinkt, kann auch das Wasserwirtschaftsamt Weilheim nicht beantworten. „Das kann Monate dauern“, sagt Schramm vorsichtig – und er weist darauf hin, dass es am Wochenende wieder heftig regnen wird und dass bei der Flut 1999 der Starnberger See drei Monate lang Hochwasser führte.

Von Dirk Walter

Rubriklistenbild: © Götzfried Markus

Dirk Walter

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