Steingaden - Ein Neujahrsempfang am 1. Februar? „Des gilt scho no“, meinte Steingadens Bürgermeister Xaver Wörle, und immerhin konnte der CSU-Ortsverband Steingaden/Prem unter seinem Vorsitzenden Hubert Pfeiffer ein prominentes Zugpferd als Redner aufbieten: ExBundesfinanzminister Theo Waigel, den „Vater des Euro“.

Der Ex-Bundesfinanzminister beim Neujahrsempfang in Steingaden, umringt von Gesprächspartnern. Von links Rita Kees aus Peiting, Theo Waigel, Klaus Holzmann aus Prem und Steingadens CSU-Ortsvorsitzender Hubert Pfeiffer. Foto: mg
Kein Geld, Schulden, Euro-Krise, Griechenpleite - mit diesen Schlagwörtern wurde Waigel gleich zu Beginn in den Grußworten von Pfeiffer und Wörle konfrontiert. „Die Bundesrepublik verschuldet sich, dass einem schwindlig wird“, legte der Steingadener Bürgermeister los. Und für die Nachlässigkeiten der Griechen dürfte man nun „mit unseren Steuergeldern“ bezahlen, und überhaupt sei allein die Mineralölsteuer „ein Skandal“.
Beifälliges Nicken der über 100 Zuhörer, unter ihnen auch Abordnungen aus Schongau (mit zweitem Bürgermeister Paul Huber an der Spitze) und Altenstadt. Nur einer blieb ganz ruhig und gelassen: Theo Waigel. Als er dann an der Reihe war, hatte er schnell die Sympathien auf seiner Seite. „Ich möchte in keiner anderen Zeit leben als in der heutigen“, betonte der ehemalige Bundesfinanzminister. Denn: „Wir leben in einer Friedenszone, und niemand muss Hunger leiden“, so seine Begründung. Im Gegensatz zu früher: Sein Bruder Gustl sei mit 18 Jahren im Krieg gefallen, und was die Leute damals Hunger leiden mussten, brauche man nicht eigens zu betonen.
Und dann schwenkte Waigel gleich zum Euro über. „Länder, die eine gemeinsame Währung haben, führen keinen Krieg gegeneinander“, stellte er klar. Man sollte auch die Vorteile einer gemeinsamen Währung sehen und nicht nur über deren Risiken sprechen.
Thema Griechenland: Das sei ein absoluter Sonderfall, sagte Waigel und klärte auf: „Die Aufnahme Griechenlands ist nicht in meiner Zeit als Finanzminister erfolgt.“ Dieses Land habe gelogen und betrogen, wobei auch die Kontrolle versagt habe.
Aber: „Es gibt in Griechenland auch ehrliche Menschen“, befürwortet Waigel die Hilfszahlungen. Und überhaupt seien den Deutschen in den Nachkriegsjahren auch jede Menge Schulden erlasssen worden.
An einer Strukturänderung im sozialen Gefüge führt nach Ansicht von Waigel jedoch kein Weg vorbei. Dass z.B. in Südtirol eine Lehrerin mit 40 Jahren in Pension gehe (bei 80 Prozent Gehalt), das sei künftig nicht mehr drin.
Und weiter: Von Deutschland werde jetzt „Führung und Veranwortung“ erwartet. Bundeskanzlerin Merkel mache ihre Arbeit nicht schlecht, wagte Waigel, der im Steingadener Pfarrheim noch so manche Anekdote aus seiner Amtszeit schilderte, zu behaupten. „Es ist besser, in Zuversicht als in Furcht zu leben“, gab Waigel den Gästen beim Neujahrsempfang mit auf den Weg, und erntete dafür anhaltenden Applaus.
„Waigel hat mit seiner Rede den Nerv getroffen“, bescheinigte CSU-Vorsitzender Hubert Pfeiffer. „Der hat schon was drauf“, meinte auch zweiter Bürgermeister Paul Huber aus Schongau.
Was drauf hat aber auch die Junge Steingadener Tanzlmusik unter Leitung von Andi Strauß, die den Neujahrsempfang musikalisch umrahmte.
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