Taufkirchen - Turbulenzen im Taufkirchner Rathaus: Wegen einer umstrittenen Personalangelegenheit boykottierten Gemeinderäte die öffentliche Sitzung - und fodern den Rücktritt von Bürgermeister Jörg Pötke.

Emotionale Debatte vorm statt im Sitzungssaal: Die Taufkirchner Gemeinderatssitzung muss ausfallen. Foto: Rafael Sala
Bis auf die ILT fordern alle Fraktionen Bürgermeister Jörg Pötke (ILT) zum Rücktritt auf. Der lehnt ab - und droht mit Konsequenzen.
Eigentlich hätte der Haushalt 2012 genehmigt werden sollen, doch dazu kam es nicht: Unter Protest verließen die Vertreter von CSU, SPD, Grüne und der Ausschussgemeinschaft der Freien Wähler mit der FDP den Saal und ließen am Dienstagabend die öffentliche Sitzung platzen. Grund: Bürgermeister Jörg Pötke (ILT) soll zuvor im nicht-öffentlichen Teil die Aussprache über die umstrittene Kündigung eines Verwaltungsmitarbeiters in der Probezeit verweigert haben. Für viele Gemeinderäte war die Vorgehensweise des Rathauschefs wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Bereits vor Beginn der nicht-öffentlichen Sitzung hatten alle Vertreter der Fraktionen - bis auf die ILT - Pötke zum Rücktritt aufgefordert.
Dass der Haussegen in Taufkirchen offenkundig schief hängt, zeigte sich vor der Tür zum Sitzungssaal: Dort wartete eine Traube von Menschen - aufgebrachte Rathaus-Angestellte, die den Gemeinderäten einen Dringlichkeitsantrag überreichten. Darin forderten sie den Bürgermeister auf, die Kündigung ihres Kollegen zurückzunehmen. Der Gemeinderat möge beschließen, dass der Mitarbeiter, der sich unter seinen Kollegen einer großen Beliebtheit erfreue, „weiterhin in der Bauverwaltung beschäftigt bleibt“.
Wie angespannt die Atmosphäre in der Verwaltung ist, belegt eine anonyme Mitarbeiter-Umfrage, deren Ergebnisse unserer Zeitung vorliegen. Allerdings ist unklar, wer wann die Umfrage in wessen Auftrag durchgeführt hat. Unterzeichnet hat „Die Belegschaft der Gemeinde Taufkirchen“. Laut Umfrage haben 48 Mitarbeiter bejaht, dass sie auf Grund ihrer Arbeitssituation „gesundheitliche Probleme“ haben. 47 fühlen sich gemobbt, 52 haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Insgesamt haben an der Umfrage 63 von der 90 Rathaus-Mitarbeiter teilgenommen.
Pötke selbst will sich nicht näher zu dieser Umfrage äußern. So lange sie anonym vorgenommen sei und sich kein Autor zu dem Schreiben namentlich bekenne, sei das für ihn „unterste Schublade“. Der Bürgermeister ist erbost über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe: „Das ist erstunken und erlogen.“ Es sei zu offensichtlich, dass hier „ein Komplott gegen mich im Gange ist“. Ein Rücktritt komme für ihn nicht in Frage.
Rafael Sala
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