Kirchseeoner - Schwerer Tobak für Kirchseeons Gemeinderäte: In Sachen Umfahrung geht es jetzt nach dem Motto „Friss, oder stirb“. Und gefressen werden müsste die weiträumige Südumfahrung, soll es überhaupt eine Verkehrsentlastung geben.

Claus-Peter Olk, Chef des Rosenheimer Straßenbauamts.
Claus-Peter Olk, Leiter des Rosenheimer Straßenbauamts, bestätigte die EZ-Interpretation, dass eine Nordumfahrung der Marktgemeinde vom Tisch ist und als realistische Option nur die sogenannte „weiträumige Südumfahrung“ in Frage kommt. „Da haben Sie wohl Recht“, sagte Olk, ohne noch viel Rücksicht auf diplomatische Rhetorik zu nehmen. Schließlich gehe es ja bei einer Planung nicht nur um den verkehrlichen Nutzen. „Die Wirtschaftlichkeit spielt ja auch noch eine Rolle.“ Und Fakt ist eben, dass die weiträumige Südumfahrung, die das Staatliche Bauamt mit einer weiter nach Norden verschobenen Nordtrasse aktuell geprüft hat (wir berichteten), sich als die mit Abstand kostengünstigste Variante unter all den sechs diskutierten Planspielen herausstellte.
Olk betonte: „Wir wollen eine Trasse, die auch realistische Chancen hat.“ Es nütze Kirchseeon nichts, wenn der Gemeinderat „auf einer Maximalforderung beharrt oder irgend eine andere Konsenslösung innerhalb des Ratsgremiums favorisiert“.
Einer doch schon so frühen Entscheidung redet Olk das Wort, obwohl in Berlin frühestens 2015 ein neuer Bundesverkehrswegeplan beschlossen wird. Denn vor dieser politischen Entscheidung werde wohl der Bund quasi als administrative Vorarbeit schon vorher den Freistaat fragen, welche Verkehrsprojekte vordringlich seien. Für Kirchseeon bedeute das, dass dann das Straßenbauamt auf die Gemeinde zugehen werde. Laut Olk wird „zu diesem Zeitpunkt X“ dann nicht mehr viel Spielraum sein.
Bürgermeister Udo Ockel (CSU) hat sich bereits nach der Gemeinderatssitzung am vergangenen Montag skeptisch gezeigt, was ein eindeutiges Votum des Gemeinderats betrifft. Denn: „Ich habe da so meine Zweifel, dass es eine hundertprozentige Mehrheit geben wird.“ Dann aber könne dem gemeindlichen Votum „die Power fehlen“, orakelte der Gemeindechef. Das bestätigte Olk indirekt. Vordringlich sei „auf alle Fälle ein Mehrheitsbeschluss“. Dass größtmögliche Einigkeit in der Waagschale schwer wiegen könne, spiele sich dann auf der politischen Ebene ab. „Es kann sein, dass sich politische Kräfte mit dem Argument, wie satt oder dünn ein Mehrheitsbeschluss gefasst wurde, gegenseitig ausspielen.“ Eine möglichst breite Mehrheit sei „also förderlicher“, sagte Olk.
Von Eberhard Rienth
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