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Landwirtschaft und Hunger

Parsdorf - Über eine Milliarde Menschen leiden an Hunger, mehr als jemals zuvor. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Fettleibigen auf über eine Milliarde gestiegen.

Referent Benedikt Haerlin: Keine Patentlösung, aber Komponenten, die man vor Ort richtig kombinieren kann. Foto: jro

Referent Benedikt Haerlin: Keine Patentlösung, aber Komponenten, die man vor Ort richtig kombinieren kann. Foto: jro

Diese Zahlen gehen aus dem Weltagrarbericht vor. Auf Einladung von Bauernverband, Milchviehhaltern, Bund Naturschutz, Jungbauernschaft und einiger anderer Organisationen informierte der Berliner Benedikt Haerlin die Besucher zum Thema „Was hat der Welthunger mit unserer Landwirtschaft zu tun?“

Haerlin hat am aktuellen Weltagrarbericht, der 2003 von der Weltbank initiiert wurde, mitgewirkt. „Über 500 Autoren waren beteiligt, im Aufsichtsrat saßen Vertreter von Regierungen und Nicht-Regierungs-Organisationen wie Wissenschaftler, Produzenten, Bauernverbände und Verbraucher.“

Zentrale Frage: „Wie können wir durch die Schaffung, Verbreitung und Nutzung von landwirtschaftlichem Wissen, Forschung und Technologie den Hunger und die Armut in der Welt verringern?“ Es ging auch um Klimawandel, den Stickstoff-Kreislauf durch chemische Dünger und den Verlust der Artenvielfalt. „All das wird von der Art, wie Landwirtschaft betrieben wird, bestimmt“, betonte Haerlin. „Wissenschaftler behaupten sogar, dass Landwirte als ,Ökosystem-Dienstleister’ eine zentrale Rolle für das Überleben der Menschheit spielen werden.“ Die Getreideproduktion sei auf fast 2,3 Milliarden Tonnen angestiegen. Fast jedes Land könne seine Bevölkerung ernähren. Ein immer größerer Teil diene jedoch als Tierfutter, da die Menschen immer mehr Fleisch äßen und die Massentierhaltung zunehme. Gleichzeitig gebe es eine Marktkonzentration. Bei gentechnisch verändertem Saatgut würden sogar 90 Prozent von nur einer Firma kontrolliert. „Dagegen ist die Autobranche ein Hort der Vielfalt“, so Haerlin.

Ein Ergebnis des Berichtes: Eine Abkehr vom Prinzip „Wachse oder weiche“ sei dringend notwendig. Gerade die Kleinbauern seien künftig entscheidend, ebenso wie die Frauen: „In den bevölkerungsreichsten Ländern tragen die Frauen die Hauptlast in der landwirtschaftlichen Arbeit. Gleichzeitig haben sie kaum Rechte, dürfen oft nicht einmal eigenes Land oder eigene Tiere besitzen.“

Letztendlich habe der Agrarbericht mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben, räumte Haerlin ein. „Es gibt keine Patentlösung, sondern etliche Komponenten, die vor Ort richtig kombiniert werden müssen.“ (se)

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