Ingelsberg - Mit hohen Beträgen umzugehen ist für Matthias Schmitt selbstverständlich. Es ist sein Beruf. Jedoch stürzen nicht ganze Nationen in wirtschaftliche Turbulenzen, wenn eines seiner Aktiengeschäfte schief geht. Der 35-jährige Ingelsberger versteigert historische Papiere, genauer: Sammlerstücke.

1000 US-Dollar, 2000 Mark, 3000 Reichsmark: Was Matthias Schmitt hier in Händen hält, stellte einst einen erhebliche Wert dar. Heute sind es Sammlerstücke. Foto: s. Rossmann
Es gibt einen Spruch: Je schöner die Aktie, desto größer der Schwindel.“ Schmitt meint damit natürlich die früheren Geschäfte, für die die Papiere einst aufgelegt und ausgegeben wurden. Wie beispielsweise ein Würzburger Unternehmen für landwirtschaftliche Maschinen, das im vorigen Jahrhundert nach Finanzmanipulationen in der Firma dringend zusätzlich Geld brauchte und wunderschöne Papiere ausgab. Wenige Jahre später war das Unternehmen dann dennoch pleite.
Einige der Schmuckstücke hat Schmitt bei sich zu Hause in Ingelsberg. Das Firmenbüro ist im Dachgeschoss des Privathauses. Und dabei ist sein Unternehmen eines der bekanntesten in der Branche. Zwei große Auktionstage, in Wiesbaden und in Würzburg, organisiert er im Jahr, die nach eigenen Angaben jeweils unter den Top 5 entsprechender Veranstaltungen weltweit liegen. Die Grundlage für die Firma war eine Studenten-Idee. Schmitt studierte Betriebswirtschaft in Würzburg. „Wir haben damals, während der 90er-Jahre, auch mit Aktien gezockt.“ Zusammen mit Kommilitonen wollte er selbst eine Aktiengesellschaft gründen. Und weil bei ihm historische Wertpapiere an der Wand hingen, wandte man sich diesem Geschäftsbereich zu. Mit Wertpapieren beschäftigte sich Schmitt aber bereits viel länger. Schon mit elf Jahren war sein Interesse geweckt, mit 17 Jahren setzte er seine erste Order.
Menschen, die alte Aktien sammelten, kämen meist aus dem Bankfach, erzählt der gebürtige Franke. Die Papiere seien ein Symbol der wirtschaftlichen Entwicklung. So beispielsweise deutsche Anleihen aus dem Jahr 1930. Damals traute den Deutschen nach der Hyperinflation in Finanzsachen eigentlich keiner. Und so wurde die Anleihe auch in US-Dollar herausgegeben und zusätzlich durch Gold abgesichert. Aus den historischen Hintergründen könnten auch Politiker unserer Zeit etwas lernen, meint Schmitt. Beispielsweise was passiere, wenn die Staatsschulden zu hoch seien und die Inflationsrate klettere. Aber auch Beispiele von Kontinuität gibt es. So hatte Holland im Jahr 1734 ein Papier über 320 Gulden aufgelegt, um den Bau von Deichen zu finanzieren. Wer Eigentümer der Anleihe ist, bekommt noch heute Zinsen in Höhe von drei Prozent jährlich. „Die Holländer zahlen eben ihre Schulden“, meint Schmitt. Ersteigert wurde das Papier bei der jüngsten Aktion übrigens für 1500 Euro.
Im Sammlermarkt sieht Schmitt noch viel Potenzial. Aus den Unterlagen wisse man, dass in Deutschland wohl rund 250 000 verschiedene Wertpapiere ausgegeben worden seien. In den Katalogen fänden sich aber nur zwischen 40 000 und 45 000. Auch wenn in den beiden Weltkriegen viele Papiere zerstört wurden, würden noch viele unerkannt in irgendwelchen Schatullen auf Dachböden liegen, ist sich Schmitt sicher. Und darunter könnte dann auch so manches wertvolle Stück sein. Denn: Was selten ist, ist teuer.
Von Robert Langer
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