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Der Vorzeige-Kindergarten

Pöring - Frisches Bio-Gemüse, zum Teil auch aus dem eigenen Garten, selbstgemachter Joghurt und selbstgeschlagene Butter - das alles und mehr stand beim „Klimafrühstück“ des Kindergartens St. Georg in Pöring auf dem Tisch.

„Ihr alle könnt Ärzte für die Erde sein“: Biologin Rositha Holzmann im Kindergarten in Aktion. Foto: stefan Rossmann

© ROSSMANN STEFAN

„Ihr alle könnt Ärzte für die Erde sein“: Biologin Rositha Holzmann im Kindergarten in Aktion. Foto: stefan Rossmann

Unter den Schlagworten „saisonal, regional und frisch auf den Tisch“ sollten die Kinder lernen, wie sie bereits beim Frühstück auf die Umwelt achten können. Für diese und ähnliche Aktionen wurde das Haus nun von der UNESCO als Modellkindergarten ausgezeichnet.

Zum vom „Tag der Regionen“ ausgehenden Aktionstag hatte der Kindergarten die Biologin Roswitha Holzmann eingeladen. Diese erklärte den Kindern den Klimawandel, durch den die Erde „krank“ werde und „Fieber bekommt“. „Ihr alle könnt Ärzte für die Erde sein“, sagte sie. Holzmann ging auf die Wichtigkeit ein, saisonales sowie bevorzugt regionales Obst und Gemüse zu essen. Schließlich stand der Tag unter dem Motto: „Wer weiter denkt - kauft näher ein.“ Den Bezug zum Klima vermittelte die Biologin mit den verschieden lange Transportwegen. Die dabei entstehenden Abgase wurden mit Hilfe von roten und grünen Luftballons dargestellt, die unterschiedlich stark aufgeblasen wurden. Zudem erklärte sie den Kindern, wie sie auf Verpackungen achten müssen. Auch einige Eltern hörten sich den Vortrag der Biologin an. Danach freuten sich alle über das gesunde und klimafreundliche Frühstück.

Doch das „Klimafrühstück“ war nur eine der vielen Aktionen, die der Kindergarten regelmäßig veranstaltet. „In unserem Hochbeet ziehen wir selbst Gemüse heran“, so Kindergartenleitung Gaby Lindinger. Auch viele Trauben durften die Kinder dieses Jahr schon ernten. Durch die Eigenproduktion sollen die Buben und Mädchen nicht nur ein Bewusstsein für Gemüse aus der Umgebung lernen. Auch das soziale Miteinander werde dadurch gefördert. „Das Frühstück war der Einstieg. Demnächst werden wir zum Beispiel auch Saft aus unseren eigenen Äpfeln pressen und Kuchen backen“, erzählte Lindinger.

Leitbild des Kindergartens St. Georg ist die „Fußläufigkeit“. Eltern werden dazu animiert, ihre Kinder zu Fuß in den Kindergarten zu bringen. „Viele kleine Schritte können vieles bewegen“ lautet das Motto dazu. „Von allen Fußgängern werden Fußabdrücke gesammelt“, erklärte die Leiterin. Wenn eine bestimmte Anzahl erreicht werde, würde die Kita als Belohnung und Motivation für die Kinder einen Roller kaufen. Dazu hofft sie aber noch auf Sponsoren. Um das zu Fuß gehen zu fördern, hätte das Team sogar neue Parkplätze abgewehrt: Diese seien für den Neubau, der übrigens unter ökologischen Gesichtspunkten errichtet wurde, geplant gewesen.

Soviel Engagement hat nun auch die UNESCO gewürdigt. Die Kindertagesstätte wurde in Erfurt als Modellkindergarten für Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. „Wir wollen ein Vorbild für Kitas sein und hoffen, dass andere unserem Konzept folgen werden“, so Lindinger. Auf die Auszeichnung der UNESCO sei sie jedenfalls sehr stolz. Das Klimaprojekt solle jedoch kein „Fingerzeig“ sein, sondern vielmehr ein Anstoß: „Auch die Eltern und das Dorf sollen miteinbezogen werden“, meinte sie.

Noch einen weiteren Preis hat die Kita in diesem Jahr gewonnen: Beim deutschlandweiten Wettbewerb „Grüne Spielplätze“ der Stiftung „Die Grüne Stadt“ wurden Spielplätze mit einheimischen Pflanzen gesucht. „Da wir seit Jahren das Konzept mit unserem Naturerlebnisgarten verfolgen, haben wir uns beworben“, sagte Lindinger. Und so landete der Kindergarten prompt auf dem zweiten Platz. Als Preis erhielt er den „Baum des Jahres“, eine Vogelkirsche. Doch auf diesen Preisen ruht sich das Haus nicht aus. Vielmehr motivieren sie zu neuen Aktionen: Zum Beispiel ist eine Einkaufstour mit den Buben und Mädchen geplant, sowie ein Besuch beim Bäcker. „Zum Teil backen wir aber auch selbst Brot“, erzählte die Leiterin. Ein weiteres ihr wichtiges Thema sei die artgerechte Hühnerhaltung. Um den Kindern diese näher zu bringen hilft eine Frau aus dem Ort: Sie wird fünf Hühner kaufen, denen die Kinder dann auch Namen geben dürfen. „Die Hühner können dann von uns besucht und gefüttert werden. Außerdem können wir dort Eier abholen“, erklärte Lindauer.

Von Christina Neubig

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