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14 Laptops sorgten für kurze Warteschlangen beim Registrieren. Markus Mund (19, r.) reicht seine Krankenkassenkarte an Michael Boguth (AKB). Die Daten kommen in die weltweite Spenderkartei.

Alle für eine: 1124 kamen für Barbara Link

Iffeldorf - Tränen und Freude lagen nahe beieinander bei der Typisierungsaktion für die kranke Barbara Link in Iffeldorf. Die Familie war überwältigt von der Solidarität.

 „Ich kämpfe zum Teil mit den Tränen“, gesteht Thomas Link, Sohn der an Leukämie erkrankten Wirtin des Landgasthofs „Osterseen“. Traurigkeit, aber auch unbändige Freude überkommen ihn, wenn er Gesichter sieht, mit denen er überhaupt nicht gerechnet hätte. „Da sind alte Bekannte aufgetaucht oder ehemalige Lehrlinge aus der Gaststätte meiner Eltern“, sagt Thomas Link. Oder Freunde von weiter weg, wie Andrea Dommert (29) aus Karlsfeld, die die Familie gut kennt. Alle haben an diesem Tag ein Ziel: Barbara Link, seiner Mutter, helfen.

Ganz Iffeldorf ist auf den Beinen und hilft

Es könnte ja auch mich treffen. Spenderin Benice Bergmann aus Penzberg (r.). Im Hintergrund: Thomas Link mit Familie.

1124 Menschen haben sich gestern registrieren lassen, zirka die Hälfte aus Iffeldorf, Penzberg und Umgebung, einige aber auch von weiter weg, aus Leipzig oder Regensburg. „Ich bin überwältigt von der Solidarität“, sagt Thomas Link. Nicht nur bei den Spendern: Hundert Menschen haben geholfen, damit die Typisierungsaktion, die die „Aktion Knochenmarkspende Bayern“ (AKB) betreut, stattfinden kann. Die einen kümmerten sich um die Logistik, die anderen sorgten für Kuchen und Würstel – als Dank an die Spender. Die Iffeldorfer Feuerwehrler fungieren als Parkplatzanweiser. Wieder andere sorgten für einen glatten Ablauf – wie Madlein Süber, die Nichte von Barbara Link.

Warum sollte sie nicht den Sechser im Lotto haben?

Die 21-Jährige sitzt schon seit sechs Stunden an einem Tisch im Saal des Gemeindezentrums und gibt Blutröhrchen aus. Gerade klebt sie den Identifizierungscode des Spenders Uwe Dahl aus Penzberg auf, damit es später nicht zu einer Verwechslung kommt. Madlein Süber steckt große Hoffnungen in diesen Tag: „Ich bin sehr optimistisch, dass wir jemanden für meine Tante finden.“

Bei der Untersuchung der Blutproben stellt sich heraus, ob ein geeigneter Knochenmarkspender dabei ist. Die weltweite Datenbank, in die auch die Iffeldorfer Spenden eingespeist werden, beinhaltet laut AKB 18 Millionen Registrierungen – keine passte bisher für Barbara Link. Thomas Link ist verhalten optimistisch.: „Heute waren es 1124, da kann man sich die Wahrscheinlichkeit ja ausrechnen. Aber es gibt ihn ja manchmal, den Sechser im Lotto.“ Und immerhin: 80 Prozent der Kranken finden einen Spender, heißt es.

Im Gemeindezentrum wird fleißig gepiekst. Artzhelferin Andrea Heim, eine der 30 Blutabnehmer, kümmert sich gerade um Berenice Bergmann aus Penzberg. „Dir wird ja nicht übel, oder?“, fragt sie. Die 19-Jährige schüttelt den Kopf, streckt den Arm und macht eine Faust. Die Nadel sticht in die Haut, 2,5 Millilter Blut fließen in das Röhrchen. Für Berenice Bergmann war es selbstverständlich, heute zu kommen: „Wer weiß, vielleicht trifft es mich ja auch mal.“

Kathrin Garbe

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