Tag 1: Adé Erreichbarkeit. Eins vorneweg: Ich bin eine harmlose Variante des „homo connectus“. Ich surfe mit dem Handy nicht im Internet, kenne Apps nur vom Hörensagen und gehöre zu einer Generation, die ohne Handy aufgewachsen ist. Nur: Ich habe vergessen, wie das war. Diese Woche werde ich es herausfinden.
Doch am ersten Morgen bin ich schon in Versuchung: Die Straßen sind glatt, ich muss mit dem Auto von München nach Weilheim. Soll ich das Handy nicht doch in die Tasche schieben, für den Notfall? Andererseits: In zwei Jahren als Pendler habe ich das Ding nur einmal wirklich gebraucht, da hatte ich eine Autopanne. Das Handy bleibt daheim.
Ich komme heil in Weilheim an, aber ein komisches Gefühl bleibt. Irgendwas fehlt. Immer wieder greife ich reflexartig in meine Tasche, um aufs Handy zu schauen. Klingelt oder vibriert das Mobiltelefon eines anderen, denke ich, es war meins. Entzugserscheinungen? Bin ich ein Erreichbarkeits-Junkie?
Tag 3: Kollektives Starren. Seit ich kein Handy mehr habe, fällt mir deren Allgegenwärtigkeit umso mehr auf. Jeder Dritte in der U-Bahn blickt mit Stöpseln im Ohr ins Leere, der Rest wischt vertieft auf Touchpads rum. Im Restaurant beobachte ich eine Gruppe Jugendlicher beim kollektiven Aufs-Display-Starren. Warum treffen die sich überhaupt? Sogar beim Skifahren hängen alle am Netz: Kaum eine Gondelfahrt, bei der keiner telefoniert.
Tag 5: Festnetz heißt festlegen. Ein freier Tag, perfekt, um eine Freundin zum Kaffee zu treffen. Aber ohne Handy bin ich aufgeschmissen: Alle Nummern sind darin gespeichert. Darauf, dass mich jemand anruft, kann ich lange warten: Fast niemand kennt meine Festnetznummer. Ich beschließe: Wenn ich das Handy kurz einschalte, die Nummer der Freundin raussuche und sie vom Festnetz aus anrufe, habe ich es gar nicht richtig benutzt. Beim verbotenen Einschalten sehe ich: drei neue SMS im Posteingang. Nur knapp widerstehe ich dem Drang, nachzusehen.
Schnell greife ich zum Festnetztelefon und rufe meine Freundin an. Gern können wird uns im Café treffen, sagt sie, wegen der Uhrzeit schreibe sie mir aber später eine SMS, sie muss noch was erledigen. Typischer Fall von Handy-bedingter Unverbindlichkeit! Geht aber heute nicht. Widerwillig lässt sie sich auf eine feste Uhrzeit festlegen. Wenn einer zu spät ist, wartet der andere eben. So wie früher, unsere ganze Jugend lang. Wann haben wir verlernt, uns festzulegen?
Tag 7: Öfter mal abschalten. Ich habe mich fast dran gewöhnt, kein Handy zu haben, und nach etlichen Jahren wieder ein Münztelefon benutzt. Da wollte ich, dass mein Freund mir einen Film aufnimmt. Als ich das Handy das erste Mal wieder einschalte, warten fünf SMS. Belangloses Zeug. Nichts, was nicht hat warten können. Fazit: Das Leben ohne Handy kann umständlich sein. Ich schalte es jetzt trotzdem öfter mal aus.


















