Wolfratshausen - Nach der Tragödie von Dachau werden die Besucher des Wolfratshauser Amtsgerichts jetzt systematisch gefilzt. Drei Taschenmesser wurden schon aus dem Verkehr gezogen.
Seit gut einer Woche kontrollieren zwei Justizbeamte an der Pforte sämtliche Besucher. Kläger und Angeklagte, Zeugen und Zuhörer: Sie alle werden mit Metalldetektoren, wie man sie von Flughäfen kennt, untersucht. Metallische Gegenstände müssen in einen Korb gelegt werden.
Bisher, so teilt Pressesprecherin Anne Köhn mit, hätten lediglich sporadische Einlasskontrollen stattgefunden. Es sei vorgekommen, dass etwa Strafrichter Helmut Berger die Wachtmeister gebeten habe, bestimmte Angeklagte genauer unter die Lupe zu nehmen, wenn er den Verdacht hatte, diese könnten im Gerichtssaal gewalttätig werden.
Für den Notfall seien die Uniformierten mit Schlagstock, Pfefferspray und Handschellen ausgerüstet. Außerdem kann per Knopfdruck auf einen „Sicherheitsbutton“, der am Tisch im Verhandlungssaal angebracht ist, der Richter sofort einen Wachtmeister zu Hilfe rufen.
Die Sicherheitsmaßnahmen sollen nach dem Willen der Bayerischen Justizministerin Beate Merk (CSU) noch weiter ausgebaut werden. Merk hat angekündigt, flächendeckend Metalldetektor-Rahmen als Sicherheitsschleusen in den Eingangsbereichen aufstellen zu lassen. Ziel sei es, so heißt es in einer Pressemitteilung, „zu allen Zeiten an allen Gerichten durchgängige Zugangskontrollen zu installieren“. Ob dies in Wolfratshausen mit einer personellen Aufstockung verbunden ist, kann Anne Köhn noch nicht sagen. Fest stehe, dass die Justizbeamten in der jetzigen Besetzung mit der Dauer-Überwachung an ihre Grenzen gelangten. Zudem gebe es am Wolfratshauser Amtsgericht keine Sicherheitsbeamtin, die auch Frauen abtasten darf. Im Verdachtsfall werde eine Polizistin von der Wolfratshausen Inspektion angefordert.
Köhn, die Familien- und Nachlassrichterin ist, begrüßt die verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Immerhin seien seit Einführung der Einlasskontrollen schon drei Taschenmesser sichergestellt worden. Sie selbst sei zum Glück noch nie in eine brenzlige Situation geraten, sagt sie. Doch es könne jederzeit und überall passieren, dass ein Prozessteilnehmer plötzlich ausrastet, glaubt Köhn. (tal)
Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)Die Kommentarfunktion ist bei diesem Artikel nicht aktiviert. Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.
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