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„Die Öl-Multis zocken uns ab“

„Die Öl-Multis zocken uns ab“

Würmtal - Die Spritpreise schnellen in die Höhe. Ein Liter Diesel für über 1,50 Euro belastet auch im Würmtal zahlreiche Unternehmen. Auf den Kosten bleiben die meisten sitzen.

Zu Wochenbeginn haben die Spritpreise in Deutschland Rekord-Niveau erreicht. So kostete etwa gestern Vormittag bei der Jet- Tankstelle in Krailling ein Liter Diesel 1,48 Euro. „Die Situation ist ärgerlich“, kritisiert Mitarbeiter Klaus Wender. Seit Tagen tanken viele seiner Kunden für nur fünf oder zehn Euro und hoffen, dass der Sprit bald billiger wird. Der Frust ist groß. „Die Leute schimpfen, und ich kann ihnen nur recht geben“, sagt Wender. „Wir hauen Milliarden nach Griechenland und werden selber abgezockt.“

Beim Blick auf die Tank-Tafeln vergeht nicht nur den Privatleuten das Lachen. „Für uns ist es ein großes Problem“, seufzt Mattias Pavle vom gleichnamigen Gautinger Busunternehmen. „Das verdanken wir der Willkür der Treibstoffmultis und den Tankstellen“, klagt er. „Kleinunternehmer wie uns machen sie fertig.“ Denn die stetig steigenden Kosten fielen erheblich ins Gewicht. „Wir tanken zurzeit alle zwei Wochen für 15 000 bis 20 000 Euro, vor zwei Jahren haben wir deutlich weniger bezahlt.“ Der Mehraufwand lässt sich laut Pavle nicht einfach auf den Kunden abwälzen. „Bei den Linienbussen gibt es Festpreise, und wenn wir von unseren Auftraggebern höhere Kosten verlangen, gehen sie zur Konkurrenz.“ Nach Ansicht von Pavle wäre ein Gesetz zur Senkung der Spritpreise sinnvoll. Um auf eigene Faust Tank-Kosten zu reduzieren, kauft das Busunternehmen neue Busse, die weniger Sprit verbrauchen: Inzwischen fahren drei von neun Pavle-Bussen mit nur 19 statt 30 Litern auf 100 Kilometer.

Auch Würmtaler Taxler können steigende Diesel-Ausgaben nicht an Kunden weitergeben. „Wir sind tarifgebunden“, erklärt der Planegger Taxifahrer Gerhard Kainz. Also schrumpft sein Einkommen. „Wir tragen die Kosten selbst. Das ärgert mich sehr.“ Zurzeit gibt Kainz 20 Prozent seiner Einnahmen für Sprit aus. Früher habe es sich in seiner Branche gelohnt, ein Dieselfahrzeug zu besitzen. „Es gab Zeiten, da war Diesel 25 bis 30 Pfennige billiger als Benzin, jetzt gibt es fast keinen Unterschied mehr“, kritisiert Kainz. „Im Moment zocken die Öl-Multis ab, über Benzin lässt sich kaum noch Plus machen, jetzt gehen sie auf Diesel los.“ Nun sieht Kainz den Staat in der Pflicht. Er fordert unter anderem für Speditionen, Taxi- und Bus-Unternehmen eine Steuererleichterung.

Zu den Tankstellen-Großkunden zählt der Malteser Hilfsdienst, der im Würmtal 100 Diesel-Fahrzeuge einsetzt. „Das Thema bereitet uns seit Monaten Bauchschmerzen“, sagt Bezirksgeschäftsführer Martin Lanzinger. „Die Spritausgaben belasten uns stark. Sie machen zehn Prozent unseres Umsatzes aus.“ Vor ein bis zwei Jahren seien es etwa sechs Prozent gewesen. Die Konsequenz: „Wir müssen die Preise für unsere Dienstleistungen erhöhen.“ Ab 1. April kostet eine Mahlzeit 6,20 statt bisher sechs Euro. Lanzinger bedauert: „Jede Preiserhöhung schränkt die Bedürftigen ein.“ Jetzt wird überlegt, die Patenschaften für Essen und Hausnotruf auf den Fahrdienst auszuweiten.

Über eine eigene Zapfsäule verfügt das Gräfelfinger Kieswerk Glück. „Das Befüllen ist ein großer Kostenfaktor“, beklagt Fuhrparkleiter Alois Gamsreiter. Jede Woche liefert ein Tankzug 33 000 Liter Diesel für 20 Lkw, acht Autos und fünf Transporter. Die Treibstoffkosten sind um bis zu 30 Prozent höher als 2011. Vorige Woche kostete die Lieferung noch 1,39 Euro pro Liter, „das kann am Freitag teuerer sein“. Ein unkalkulierbarer Umstand. Gamsreiter ist sauer: „Die Preissteigerungen sind nicht gerechtfertigt. Das müsste gesetzlich reguliert werden.“ Dass die Bundesregierung Maßnahmen ergreift, bezweifelt er. „Der Staat verdient ja mit. Man schlachtet keine Kuh, die Milch gibt.“

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