Wo liegt Gräfelfings Wachstumsgrenze?

Gräfelfing - Gräfelfing wächst in vielen Bereichen, von Gewerbebetriebe über Steuereinnahmen bis zu Kinderbildungs- und Betreuungsplätzen.

Letzteres freilich verdankt sich überwiegend gewandelten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, nicht etwa einem Bevölkerungswachstum. Die Einwohnerzahlen in der Gartenstadt liegen seit vielen Jahren stabil bei etwa 13 000 Menschen; aktuell leicht darunter. Das könnte sich in den nächsten Jahren grundlegend ändern und die Kommune vor enorme infrastrukturelle Herausforderungen stellen: Dann nämlich, wenn die Gemeinde tatsächlich zig Millionen Euro, die sie für den Bau eines Autobahntunnels benötigt, über Grundstücksverkäufe einnimmt und dafür neue Wohngebiete ausweist.

Dieser Aspekt des Jahrhundertprojekts Tunnel A 96 stellt ein Politikum dar, dessen Ausmaße sich in der jüngsten Sitzung des überörtlichen Ausschusses schon mal andeuteten: Nach Ansicht von Bürgermeister Christoph Göbel ist es Zeit, sich der Frage zu stellen, wieviel Bevölkerungswachstum Gräfelfing überhaupt will beziehungsweise verträgt. „Neue Wohngebiete bringen Konsequenzen für die Infrastruktur mit sich“, so Göbel und zählte auf: „Verkehr, Schulen, Kindergärten, Einkaufen.“ Damit solle die Gemeinde sich „frühzeitig und ernsthaft auseinandersetzen“, indem sie zunächst den Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München mit einer Expertise über Bedarf und Möglichkeiten beauftrage.

Widerspruch kam just aus der eigenen Fraktion. Peter Köstler (CSU) fand, man solle zunächst den schriftlichen Bericht der Machbarkeitsstudie zum A 96-Lärmschutz abwarten, um zu erfahren, wieviel Wohngebietsausweisung technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll sei. Köstler: „Sonst machen wir den zweiten Schritt vor dem ersten.“ Der Bürgermeister hielt dagegen. Göbel: „Wir können der Frage nicht ausweichen, wo die Grenze des Bevölkerungswachstums liegt.“

Thomas Heidenreich (CSU) verwies darauf, diese Frage hänge eng zusammen mit der Umgehungsstraße und dem Ausgang des Bürgerentscheides: „Ohne 2063 neu keine Verlegung der Autobahn-Anschlussstelle und damit kein umfassender Lärmschutz an der A 96.“ Deshalb sei er ebenfalls dafür, abzuwarten. Das wirkte: Für den Verwaltungsvorschlag stimmten nebst Göbel in seltener Koalition nur Manfred Dirndorfer (SPD) und Ralf Brandtner (AIG).

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