029.01.10|Würmtal|Würmtal|
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Gräfelfing - Tobias Kann von den Maltesern Gräfelfing fliegt mit kleinem Team ins Katastrophengebiet nach Haiti.

Aufbruch ins Katastrophengebiet: Tobias Kann vor der Gräfelfinger Bezirksgeschäftsstelle der Malteser. Foto: Sauer
Ein bisschen nervös ist Tobias Kann vom Malteser Hilfsdienst Gräfelfing schon, wenn er an seinen bevorstehenden Einsatz auf Haiti denkt. Jederzeit könnte ein Nachbeben die letzten aufrecht stehenden Gebäude zum Einsturz bringen. Die Arbeit in einem Katastrophengebiet ist eine enorme Belastung – das weiß Kann von seiner Zeit in Phuket, als er Tsunami-Opfern Hilfe leistete. Trotzdem sieht man dem 36-Jährigen an, dass die Einsatzfreude überwiegt. „Wir wurden dafür ausgebildet, im Ernstfall zu handeln“, sagt er.
Als Malteser International in Köln nach neuen Helfern suchte, bewarb er sich und bekam nach einem Telefoninterview grünes Licht für seine Reise nach Haiti. „Ein Vorteil war, dass ich im Süden wohne. Deshalb war ich schnell in Friedrichshafen, wo EADS einen Sanitätscontainer zusammengestellt hat.“ Das Luft- und Raumfahrtunternehmen will eine mobile Krankenstation nach Haiti fliegen, in der die Malteser Verletzte behandeln werden. Zusammen mit einer Ärztin und zwei Technikern geht es nach Léogâne, einer Hafenstadt 30 Kilometer westlich von Port-au-Prince. Obwohl 90 Prozent der Stadt bei dem Beben zerstört wurden, gebe es dort kaum medizinische Versorgung“, sagt Kann. „Ich rechne mit dem Schlimmsten.“
Das Team hat ein Erdbebenfrühwarnsystem im Gepäck. „Es ist angenehm zu wissen, dass wir ein paar Minuten haben, um uns auf ein mögliches Nachbeben vorzubereiten.“ Ansonsten sollten die Helfer für ihre Reise nur das Nötigste mitnehmen: Kleidung, Hygieneartikel, eine Isomatte und ein Moskitonetz für die Nachtruhe. Von seinem Wohnort Kaufbeuren brach Tobias Kann am Freitag um 3.30 Uhr nach Düsseldorf auf. An diesem Samstag landet er um 16 Uhr am Flughafen von La Romana in der Dominikanischen Republik. Von dort aus sind es noch acht Stunden Fahrt bis zur haitianischen Hauptstadt.
In den Lagern der Hilfsorganisationen werden die Mitarbeiter mit frischem Trinkwasser und Desinfektionsmitteln versorgt. Angst vor Seuchen hat Kann daher nicht. Auch die Unruhen und Plünderungen, durch die viele Einheimische ihrem Frust oder ihrer Verzweiflung Luft machen, bereiten ihm kein Kopfzerbrechen. „Die Menschen erkennen, dass wir helfen wollen.“ Außerdem könne man sich bewusst von Gefahrensituationen – wie der Ankunft eines Lebensmitteltransportes – fernhalten. „Natürlich gibt es immer Einzelne, die für einen Augenblick die Beherrschung verlieren. Das ist aber bei unserem täglichen Dienst im Würmtal genauso.“ Die Haitianer, meint Kann, begreifen, dass eine Handvoll Helfer nicht über Nacht eine halbe Million Obdachlose versorgen kann.

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