Pasing - Bis 30. Januar ist die Ausstellung "Jahrhundertmenschen" in der Pasinger Fabrik zu sehen. Karsten Thormaehlen hat Männer und Frauen fotografiert, die 100 und älter sind.

Wie überdimensionierte Postkarten stecken die Fotografien der betagten Modelle in ihren hölzernen Halterungen. foto: bodenberger
„Mit 99 Jahren habe ich aufgehört zuzunehmen. Ich bin zu wenig. Ich habe keine Figur mehr“, steht in großen Lettern auf einer der aufgestellten Wände geschrieben. Hanna Merke hat das gesagt. Heute ist sie 103 Jahre alt. Wenige Meter weiter steht ihr Porträt - auf eine mannshohe Pappwand gedruckt. Sie trägt eine Brille mit verdunkelten Gläsern und eine weiße Bluse. Ihre Haare sind grau gesträhnt, sie lächelt, gerade so, dass man den Ansatz ihrer Zähne sieht. Hanna Merk ist eine der über 100-Jährigen, die der Fotograf Karsten Thormaehlen für seine Ausstellung „Jahrhundertmenschen“ porträtiert hat.
Die Fotografien flößen Respekt ein. Nicht wegen ihrer überdimensionalen Größe sondern wegen des Alters ihrer Modelle, die sie versammeln. Es sind viele hundert Jahre Leben, die Thormaehlen mit seinen Porträts in einem Raum vereint. Blickt man in die Gesichter dieser alten Menschen, hat man das Gefühl, sie sprechen, sie erzählen ihre Geschichte. Zum Beispiel Hedwig Drange. Sie schmückt ihr kesses Lächeln mit Lippenstift und trägt goldene Kreolen-Ohrringe. Ihre Haare sind schneeweiß, die rechte Augenbraue zieht sie sie ein wenig hoch. Jede Falte in ihrem Gesicht erzählt von einem Teil ihres Lebens.
Die Ausstellung entstand anlässlich des 100. Geburtstages des Hotel Adlon in Berlin im Jahr 2007, zu dem 100-jährige Menschen eingeladen wurden. Parallel zu Thormaehlen, der mit dem Porträtieren begann, startete die Journalistin Barbara Hardinghaus die Recherche rund um das mystische Alter 100. So entstanden in Zusammenarbeit ein Bildband und die überaus sehenswerte Wanderausstellung, die nach zahlreichen anderen Großstädten nun auch in München angekommen ist.
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