Modellsanierung: In einem Reihenhaus des Ringstraßen-Quartiers sind bereits energetische Maßnahmen wie Dach- und Gaubendämmung durchgeführt. Bei einem Tag der offenen Baustelle konnten sich interessierte Bürger im Vorjahr darüber informieren. Foto: Rutt

Energiewende im Ringstraßen-Quartier

Krailling - Krailling will die Bürger bei der Energiewende mit ins Boot holen. Im Ringstraßen-Quartier hat die Gemeinde einen Modellversuch gestartet: ein Sanierungskonzept für 31 Häuser.

Im Rahmen des Klimaschutzkonzepts für den Landkreis Starnberg lässt sie derzeit einen Maßnahmenkatalog ausarbeiten, der den Bewohnern der Reihenhaus-Siedlung aufzeigt, welche technischen und wirtschaftlichen Einsparpotentiale sie ausschöpfen können. Ein Modell, das eventuell auf andere homogene Wohngebiete ausgeweitet werden soll. „Im Hintergrund steht natürlich das Ziel der CO2-Einsparung“, betonte die beauftragte Architektin Barbara Schärfl am Dienstag, als sie dem Bauausschuss einen Zwischenbericht vorlegte.

Da mehrere Hausbesitzer in den nächsten Jahren ihre Heizungen erneuern müssen, ist für das Wohngebiet zwischen Ringstraße, Ringweg und Franzstraße eine Nahwärmeversorgung im Gespräch. Für ein Hackschnitzelkraftwerk gibt es in der Siedlung allerdings nicht ausreichend Platz. Eine Energiegewinnung über Abwasserwärme, wie sie der Würmtalzweckverband für ein Pilotprojekt erwägt (wir berichteten), ist nach Auffassung Schärfls wegen des hohen Heizwärmebedarfs der Häuser nicht sinnvoll. Ihr Energiebüro favorisiert derzeit ein mit Gas betriebenes Blockheizkraftwerk.

Im Rahmen energetischer Maßnahmen wird erwogen, den Bewohnern auch eine bessere Nutzung ihrer Gebäude zu ermöglichen. So könnte künftig das Schließen der Balkone mittels Verglasung oder eine größere Dachgaube genehmigt werden. Oder ein teilweise schließbarer Vorbau im Eingangsbereich, da die derzeitigen Vordächer - Verlängerungen der Erdgeschossdecken - Wärmebrücken bilden und ohnehin entweder gedämmt oder abgeschnitten werden müssten.

Derartige Eingriffe erfordern allerdings eine Änderung der Vorgaben des Bebauungsplans. Das gilt auch im Hinblick auf die Sanierung der Garagen, die sich ebenso wie die Zufahrten in einem baulich schlechten Zustand befinden. „Das größte Problem ist die Stellplatzstruktur“, sagte Ulrike Angerer vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München. Für die 31 Häuser des Quartiers gibt es nur 29 Garagen. Vorgeschrieben sind eigentlich 93 Stellplätze, drei pro Haus. Angerer schlug vor, pro Reihenhaus statt bislang zwei nur noch eine Wohneinheit im Bebauungsplan festzuschreiben. Nur dank des hohen Anteils alter Menschen, die kein Auto besitzen, sei die Parkplatzsituation in dem Quartier mit extrem engen Straßen noch nicht chaotisch. Bei einem Generationswechsel werde sich dies schnell ändern. Deshalb gibt es Überlegungen, die Garagen abzureißen und durch Duplex-Garagen zu ersetzen. „Wir sollten auch die Möglichkeit eines Parkdecks prüfen, das erfahrungsgemäß besser angenommen wird“, meinte Michaela Weiß (FBK). Um derartige Projekte zu stemmen, müssten die Bewohner der Siedlung laut Schärfl Eigentümergemeinschaften bilden und finanzielle Rücklagen schaffen.

Der vollständige Maßnahmenkatalog soll bis Mai vorliegen. Wie die Resonanz der Info-Veranstaltungen zeigt, ist das Interesse der Anwohner groß. „Die Leute machen sehr gut mit“, sagte Bürgermeisterin Christine Borst.

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