Alexander Czetsch, früherer Firmenchef von Technosan. Gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt. A-Foto: Höfle

Flucht- und Verdunklungsgefahr

Kripo verhaftet Technosan-Chef Czetsch

Krailling - Der frühere Chef der Kraillinger Entsorgungsfirma Technosan, Alexander Czetsch, sitzt im Gefängnis. Kripobeamte haben ihn am Donnerstag wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr verhaftet.

Seit Wochen ermitteln Staatsanwaltschaft und eine Sonderkommission der Kriminalpolizei im Fall Technosan. Am Donnerstag schlugen sie erneut zu: Im Zuge einer Großrazzia durchsuchten fünf Staatsanwälte und mehr als 50 Polizisten sechs Objekte in Krailling, München, Neuötting und Bitterfeld - Geschäfts- ebenso wie Privaträume. Der ehemalige Technosan-Geschäftsführer Alexander Czetsch wurde in seiner Kraillinger Villa verhaftet und dem Ermittlungsrichter vorgeführt; dieser setzte den Haftbefehl wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr am Freitag in Kraft.

Mitte November hatte das Landratsamt Neuötting der Recycling-Firma die Betriebserlaubnis entzogen. Messungen in einer Kiesgrube bei Mühldorf hatten ergeben, dass das Unternehmen dort hochgiftigen Bauschutt eingelagert hatte. Die Grenzwerte für Krebs erregende Kohlenwasserstoffe sollen um das 50-Fache überschritten worden sein. Da sich der Verdacht erhärtete, dass kontaminierte und in den Analysepapieren falsch deklarierte Materialien offenbar auch auf anderen Deponien verfüllt worden waren, wurde im Dezember eine 20-köpfige Sonderkommission eingerichtet. Durch illegale Müllentsorgung lassen sich Gewinne in Millionenhöhe erzielen.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft München II wird neben Czetsch gegen sechs weitere Firmenmitarbeiter ermittelt. Im Zuge der Razzia seien umfangreiche Unterlagen und Datenträger sichergestellt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte die Räume der Technosan-Zentrale im Kraillinger Gewerbegebiet KIM und die Jugendstilvilla des früheren Firmenchefs bereits im November 2012 durchsuchen lassen. „Wir haben jetzt nochmal nachgefasst“, so Andreas Guske vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd.

Das Ermittlungsverfahren dürfte sich lange hinziehen. Zum einen hat Technosan auf mehr als 30 Deponien in ganz Südbayern Bauschutt und Geisschotter entsorgt. Zum anderen müssen die Fahnder die sichergestellten Akten erst einmal auswerten. Allein aus der Firmenzentrale im Gewerbegebiet KIM haben Beamte mehr als 100 Umzugskartons mit möglichem Beweismaterial getragen.

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