Würmtal - Erdbeben, Flugzeugabsturz oder Terroranschlag: Katastrophen wie in Japan sind auch bei uns möglich. Im schlimmsten Fall treten die Katastrophenschutz-Pläne der Landkreise in Kraft. Regelmäßig üben die Landratsämter für den Ernstfall - auch den atomaren.
Absturz eines Passagierflugzeugs vom Typ Boing 747 über Seefeld - so lautete das Szenario bei der jüngsten Katastrophenschutzübung im Landkreis Starnberg im Jahr 2009. Simuliert wurden großflächige Brände, die Zerstörung von Gebäuden, Straßen sowie der Trinkwasser-, Gas- und Stromversorgung. 5000 Personen wären betroffen gewesen.
Für einen solchen Katastrophenfall liegen in allen bayerischen Landkreisen genaue Pläne vor. Zunächst muss ein Mitglied der so genannten Führungsgruppe Katastrophenschutz Katastrophenalarm auslösen. Die Führungsgruppe besteht aus Mitgliedern des Landratsamtes und ist rund um die Uhr erreichbar.
Im Landratsamt München gibt es separate Räume für die Führungsgruppe mit einem eigenen Computersystem für schwere Krisen. Landrätin Johanna Rumschöttel ist die Einsatzleiterin. Aufgabe der Führungsgruppe ist zunächst die Koordination aller Einsatzkräfte inklusive der Bundeswehr. „Die Befehlsgewalt vor Ort übernimmt ein örtlicher Einsatzleiter, der von der Landrätin bestimmt wird“, sagt Johannes Unterreitmeier, im Landratsamt für den Bereich Sicherheit und Ordnung verantwortlich. Im Katastrophenfall ist die Landrätin zum Beispiel den Bürgermeistern gegenüber weisungsbefugt. „Laut Gesetz muss jeder Bürger bei der Krisenbewältigung helfen. Die Einsatzkräfte können zum Beispiel Benzin von einer Tankstelle beschlagnahmen, falls dies notwendig ist“, so Unterreitmeier.
Eine weitere wichtige Komponente des Katastrophenschutzes im Landkreis München ist der ABC-Zug München Land, stationiert im Katastrophenschutzzentrum in Haar. Diese Einheit wird überwiegend vom Landkreis finanziert und ist für die Abwehr von atomaren, biologischen und chemischen Gefahren besonders geschult und ausgerüstet. Der ABC-Zug war auch bei der jüngsten Katastrophenschutzübung des Landkreises im Einsatz. 2009 simulierten die Einsatzkräfte einen Gefahrgutaustritt aus einem chemischen Betrieb in Pullach. „Alle sechs Jahre finden diese Vollübungen in einer Kommune im Kreis statt, alle zwei Jahre übt die Führungsgruppe im Landratsamt“, so Unterreitmeier.
Sollte Gefahr für Leib und Leben bestehen, etwa wegen eines atomaren Unfalls, werden die Bürger angewiesen, die Schutzräume aufzusuchen, die in Zeiten des Kalten Kriegs gebaut wurden. In Gräfelfing gibt es zwei solcher Bunkeranlagen. Nicht jede Gemeinde verfügt aber über solche Schutzräume. Im Ernstfall, so räumt Unterreitmeier ein, würden nicht alle Bürger des Landkreises einen Platz bekommen. „Bei 300 000 Einwohnern ist das unmöglich.“
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