Abschied aus Planegg: Kaminkehrer Franz Wartlsteiner übernimmt ab dem neuen Jahr einen Bezirk in Regensburg. fkn

Kaminkehrer bekommen Konkurrenz

Würmtal - Das Glück bringen weiterhin nur sie. Ihre Arbeit dürfen künftig aber auch andere machen. Die Kaminkehrer schwanken zwischen Berufsehre und wirtschaftlichen Sorgen.

Der bevorstehende Abschied von Planegg macht Franz Wartlsteiner sogar ein wenig sentimental. Dabei hat er hier gerade mal zweieinhalb Jahre beruflich zugebracht. Doch Planegg war für den 33-Jährigen etwas Besonderes, es war sein erster eigener Kehrbezirk, fast zehn Jahre nach der Meisterprüfung. Und er hat seine Kunden schnell liebgewonnen, sagt er. In seinem Handwerk brauche man schließlich ein besonderes Vertrauensverhältnis, weil man in die Häuser der Leute komme.

Künftig müssen sich Hausbesitzer daran gewöhnen, immer mal wieder einem neuen Kaminkehrer ihre Türe zu öffnen. Die Zeiten, in denen ein einmal zugeteilter Bezirk auf Lebenszeit sicher war, sind vorbei. Mit dem Ende des Kehrmonopols am 31. Dezember müssen sich die deutschen Bezirkskaminkehrer nicht nur einem Wettbewerb mit Berufskollegen und Heizungsbauern stellen. Sie müssen sich künftig alle sieben Jahre auch neu um ihren Kehrbezirk bewerben. Ein Punktesystem, in dem Berufserfahrung und Weiterbildung angerechnet werden, dient als Vergabegrundlage. Wartlsteiners Bezirk wird frei, weil er sich erfolgreich um einen Distrikt in Regensburg, nahe seinem Wohnort, bemüht hatte. Jeden Tag 160 Kilometer einfach waren für den Familienvater zu viel. Mitte Februar übergibt er an einen Nachfolger.

Bewerber wird es geben, Planegg ist ein attraktiver Bezirk. Es bleibt aber abzuwarten, ob deshalb im Würmtal auch wirklich Konkurrenz entsteht und dadurch die Leistungen billiger werden, wenn mit dem 1. Januar auch feste Gebührenordnungen fallen. Hausbesitzer dürfen dann Arbeiten wie Kehren und Abgasmessungen nicht mehr nur vom Bezirksinhaber durchführen lassen. Sie müssen aber eigenständig Anbieter suchen und Preise vergleichen, wenn es günstiger werden soll. Auf der Internetseite des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (www.bafa.de) finden wechselwillige Hausbesitzer unter dem Suchbegriff Schornsteinfeger ein Kaminkehrerverzeichnis.

Wie sich auch bei der Liberalisierung des Strommarktes zeigte, sind die Deutschen beim Anbieterwechsel aber eher zurückhaltend. Die Wettbewerber auf dem neu entstehenden Markt bringen sich dennoch in Stellung. „Es ist nicht schön, einem anderen Meister die Arbeit wegzunehmen“, sagt Wartlsteiner zwar. Viele seiner Kollegen sind sich jedoch offenbar nicht sicher, ob diese Haltung sich durchsetzen wird. Einige der bisherigen Monopolisten versuchen vorsichtshalber, ihre Kunden mit Jahres- oder Zweijahres-Verträgen, die sich automatisch verlängern, an sich zu binden, bevor vielleicht doch billigere Konkurrenz auftritt.

Andere suchen selbst neue Geschäftstfelder. Weil künftig entsprechend geschulte Heizungsmonteure einen Teil der Tätigkeiten des Kaminkehrers anbieten können, darf der dafür nach einer Zusatzqualifikation etwa auch Heizungsanlagen einstellen. Für Winfried Drobny, Heizungsbauer aus Krailling, gebietet es der Anstand, sich auf sein Metier zu beschränken: „Ich finde, die Aufgaben des Kaminkehrers sollten beim Kaminkehrer bleiben.“

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