Den Weg in die Kirchen (im Foto St. Johannes Evangelist Lochham) finden immer weniger Menschen. In der Gemeinde Gräfelfing gab es in den vergangenen zwei Jahren jedoch mehr Kircheneintritte als Austritte. Foto: Rutt

Weniger Menschen treten aus der Kirche aus

Würmtal - Die große Welle der Kirchenaustritte scheint im Würmtal vorbei, die Skandale aus dem Jahr 2010 vergessen. Zwei Gemeinden verzeichnen inzwischen sogar mehr Ein- als Austritte.

Die Menschen in Planegg und Krailling stehen den zwei großen christlichen Kirchen weiter kritisch gegenüber. Im Jahr 2011 gab es nach Auskunft des Standesamts Planegg insgesamt 58 Austritte, 2012 waren es 64. Die Zahlen sind allerdings weit besser als 2010, als die Empörung über sexuellen Missbrauch die Katholische Kirche erschütterte. Insgesamt 113 Planegger wendeten sich damals von den Amtskirchen ab. „Wir hatten mehr als 100 Austritte. Das war massiv“, erinnert sich Undine Körner, Pfarrsekretärin der katholischen Pfarrei St. Elisabeth.

Auch in der evangelischen Kirche habe es damals wegen des Skandals um Bischöfin Margot Käßmann mehr Austritte gegeben“, berichtet Planeggs Standesbeamtin Manuela Fischer. Allerdings bei weitem nicht im selben Umfang wie bei den Katholiken. „Eine große Austrittswelle haben wir nicht gespürt“, sagt Pfarrer Bernhard Liess von der Planegger Waldkirche. Wer aus der Kirche austreten will, hat das im Standesamt seiner politischen Gemeinde zu melden. Einen Grund muss er nicht angeben.

Auch wenn in Planegg nicht mehr so viele Christen der Kirche den Rücken kehren, die Pfarrgemeinden werden mangels neuer Gläubiger kleiner. 2011 gab es dort 32 Eintritte und Taufen, im Jahr 2012 sogar nur 15. Im selben Zeitraum registrierten die Pfarreien 122 Kirchenaustritte.

In Krailling sieht es etwas besser aus: 2012 standen 38 Eintritten 44 Austritte gegenüber; 15 neue Christen begrüßte die auch für Krailling zuständige katholische Pfarrgemeinde St. Elisabeth, 23 die evangelische Waldkirche. 2011 war es ähnlich.

Eine Trendwende verzeichnet man in Neuried: Gab es 2011 noch mehr Aus- als Eintritte, kehrte sich das Verhältnis 2012 um. Den 49 Neuriedern, die die Kirchen verließen, stehen 55 neue Gemeindemitglieder gegenüber. Ähnlich in Gräfelfing: Dort hielt sich das Verhältnis von Kircheneintritten und -austritten bereits 2011 die Waage, ebenso im vergangenen Jahr - sogar mit leicht positiver Tendenz (siehe Kasten unten). „2010 haben viele gesagt, jetzt ist es günstig, jetzt hauen wir auch ab“, sagt Anton Schönauer, Pfarrer von St. Stefan. Damals hätten viele aus Emotionen heraus gehandelt. Er ist der Ansicht: „Die Zahlen sagen nichts über den Pegelstand des Glaubens aus.“ Das könnte seinen Planegger Kollegen Mut machen.

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