Da guade Biergeist auf da Wiesn

Da guade Biergeist auf da Wiesn

Kommen Sie, kommen Sie! Ein Trinkgeld nur, für die Liebesspiele des Maharadschas.“ So rief Ranni Kassra, der König der Jogis bei seiner orientalischen Harmesschau.

© fkn

Karin Ostberg ist Geschichtenerzählerin, nicht irgendeine, sie erzählt in bayerischer Mundart. Das hat besonderen Charme, weshalb wir Ihnen die Führung „200 Jahre Oktoberfest – A`Hochzeit, a`Pferderennen und a`guader Biergeist" wärmstens ans Herz legen möchten. Dienstag 28. September, 10-12 Uhr, Anmeldung bei der VHS München unter CM67E. Private Führungen unter Tel. 089/802242.

Vor ihm steht Studiosus Kracherl mit offenem Mund und verschlingt mit den Augen die schönen Frauen aus dem Harem. Die wehenden Schleier verhüllen geheimnisvoll die braunen Körper. Na, so wos gibt´s in München ned - hat sich der Kracherl gedacht. Aber wenn I net glei zu meine Spezln ins Bierzelt geh, kumm I nimmer hi. Und dann macht er sich auf den Weg.

Im Schottenhammelzelt lassen sich die Spezln des Herrn Studiosus derweil des süffige Bier scho schmecka. „Ja hock di no grad her, Kracherl“, ruafas zur Begrüßung. Die Kellnerin bringt a frische Maß und d`Oberländer Kapelln spuit a schneidige Musi. Des ganze Zelt singt „Solang stirbt die Gemütlichkeit in München niemals aus“.

Menschenmassen schieben sich durch die Bierzeltgänge, kein Platz war mehr an den Biertischen frei. „Vorsicht! Fette Soss“, schreit die wamperte Kellnerin und schiabt si mit sechs Maßkriag und einem Schweinsbraten durch die Leit. Es ist ein mords Lärm, eine riesen Gaudi. Grad glacht und drunga wird.

Do, a kloans dürrs Mandl schaut sehnsüchtig auf´s Schweinerne, das himmlische Düfte verbreitet, das ganz nah an seiner Nasn vorbeitragn werd. Verzweifelt sucht der Kloane an Platz. „Bittschön, würdn´s vielleicht a bisserl zsammrucka, damit i mi a no dazuasetzn kannt“. De am Tisch schaun zerst no auf den schäbigen Mantl und dann sagn´s: „Es is nix frei, es kummt no jemand.“ Nur der Studiosus Kracherl, der schon seine drei Maß intus hat, ruckt bereitwillig zur Seitn. „Wo oana Platz hat, passt a du no hi. Kumm Oida trink und iss, dass aus dir no a Mannsbuid wird.“ Bei der Kellnerin bestellt er für sein neia Freind glei a Maß und a Portion Schweinsbratn. Wia d´Bedienung ois bringt, kramt des Mandl vorsichtig a paar Münzn aus der Taschn. Der Kracherl hod der Bedienung scho as Geld gebm und sagt: „Da, ziag ab, was er und I verkonsumiert ham“. „Vergelts God“ sagt des Mandl und schaugt den Kracherl sonderbar o.

Kurz vor Mitternacht, mit etlichen Maß Bier im Bauch, packt´s der Kracherl. „Pfiad eich, I wui nur no hoam in mei Bed.“ Mehr krumm ois grod wackelt er dann zu seim Quartier. Und do, auf amoi: Vor eam geht a kloans, dürrs Mandl. Kennt er des ned?

Je weiter er geht, um so größer und breiter wird des Mandl. Als dann sein Vordermann auch noch einbiegt in die Gasse, wo der Kracherl seine Studentenbude bei der Salvermoserin hat, da wird es ihm ganz unheimlich. Der da vor eam war nimmer des kloane, dürre Mandl. Na des bin ja i, der Student der Naturwissenschaft, der Kracherl! Deutlich sieht er seine graue Kniebundhose, die schwarzen Stiefel, die Schirmmütze, seine Pfeife mit den dicken Rauchwolken, die in den Nachthimmel steigen.

Doch der Alkohol macht ihn fast übermütig und der Kracherl schaut ganz neugierig seinem Doppelgänger zu. Ob der da wohl meine Schlüssel in der Taschn hat und a des Torschloss woas? Fareck Kaffeehaus! Sei Doppelgänger hoit vor der Studentenbude, ziagt mit sicherm Griff die Schlüssel raus und sperrt des Torschloss auf. Da laft´s dem Kracherl eiskoid übern Buckel. Wenn da Anda jetzt no as Liacht omacht. Und tatsächlich, as Liacht brennt jetzt in seina Stubn. „Mia graust´s“ murmelt der Studiosus vor sich hin, „do bleib I ned!“ und tappt so schnell wia´s geht davo.

Er übernachtet lieber bei seinem Trinkkumpan. „Nur ned alloa bleim, in dera unheimlichen Nacht.“ Am nächsten Tag, ois sei Rausch besser worn is, will er wieder in sei Studentenbude geh. Ois sei Wirtin, die Frau Salvermoser ihn sieht, schlägt sie die Händ` überm Kopf zusammen. „Jesus, Maria und Josef, sie lebm ja no! Herr Kracherl, wissen ´s, heit nach Mitternacht is die Zimmerdeckn grad über ihrm Bett eingstürzt, maustod warn´s, wenn ´s drin glegn hättn.“

Langsam dämmert´s dem Kracherl wos er Bsonders dalebt hod. Und dass man net ois erklärn ko auf dera Welt. War des vielleicht a so, dass des kloane dürre Mandl sei guada Biergeist war?

Und wenn´s auf da Wiesn seid´s, liabe Leit, passt´s auf, vielleicht kummt er a wieder vorbei, da guade Biergeist.

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