München/Rom - Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hat in Rom die weitere Aufarbeitung des Missbrauchsskandals gefordert und indirekt dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller widersprochen.
Der Missbrauchsskandal habe “nach innen und außen zu einem Glaubwürdigkeitsverlust geführt, der noch nicht überwunden ist“, sagte Marx am Donnerstag auf einem vom Papst dazu einberufenen Expertentreffen. “Abschottung, Verharmlosung und Relativierung führen nicht zum Ziel, neue Glaubwürdigkeit zu gewinnen“, warnte der Kardinal.
“Es ist festzuhalten, dass die Opfer und ihre Perspektive und ihr Leiden systematisch ausgeblendet waren. Das Schuldbewusstsein in diesem Punkt war offensichtlich weitgehend nicht da“ sagte Marx und kritisierte, dass lange der Schutz der Institution im Vordergrund gestanden habe “und der Versuch unternommen wurde, einer schrecklichen Wahrheit auszuweichen“. Statt auf die Medien zu schimpfen, müsse die Kirche heute die Missbrauchsfälle mit dem Mut zur Wahrheit aufarbeiten und beispielhaft handeln. Das sei ein entscheidender Beitrag für einen Neuaufbruch der Kirche, die “in der Aufarbeitung und Prävention sexuellen Missbrauchs mittlerweile eine Vorreiterrolle übernommen“ habe.
dpa
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