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Braunbär Brunos Halbbruder im Anmarsch

Bärenalarm: Brunos Bruder vor den Toren Bayerns

Mittenwald - Nur 30 Kilometer vor der österreichisch-bayerischen Grenze bei Mittenwald hält ein Braunbär Winterschlaf. Wacht er auf, könnte er nach Bayern kommen. Geht dann die Bruno-Hysterie von vorne los?

Ein Braunbär, aufgenommen in der Nähe von Nauders in Tirol. Im Spätherbst 2008 war im österreichischen Stubaital erneut ein Braunbär gesichtet worden, der im Jahr 2009 nach Deutschland kommen könnte.

© dpa

Ein Braunbär, aufgenommen in der Nähe von Nauders in Tirol. Im Spätherbst 2008 war im österreichischen Stubaital erneut ein Braunbär gesichtet worden, der im Jahr 2009 nach Deutschland kommen könnte.

Noch ist es kalt, die Bären halten Winterschlaf. Einer von ihnen hat sich wahrscheinlich ein Quartier unweit der bayerischen Grenze gesucht. Fast drei Jahre nach dem Abschuss von Braunbär Bruno könnte damit vielleicht nochmals ein wilder Bär nach Bayern kommen. Im Spätherbst hatte ein Ziegenhirte das Tier im österreichischen Stubaital gesichtet, rund 30 Kilometer von Mittenwald in Bayern entfernt. Spuren im Schnee belegten die Aussagen des Mannes. Es könnte sich sogar um einen Halbbruder von Bruno handeln. Der Bär namens MJ4 - vierter Spross von Brunos Vater Jose mit der Bärin Maja im italienischen Trentino - soll allerdings viel ruhiger und unauffälliger sein als sein berühmter Halbbruder JJ1, der es mit seinen Eskapaden zu weltweiter Bekanntheit brachte.

Bilder: Unser Braunbär Bruno

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  • In einem unscheinbaren Anhänger wurde die Leiche von Braunbär Bruno am 2. August 2007 abtransportiert.
  • Kurz darauf entwickelte er sich zur Legende: Haribo stellte sogar Gummi-Brunos her.
  • Fans errichteten im Rotwand-Gebiet, wo der Bär erschossen wurde, Holzkreuze.  
  • Ist das Bruno? Nein, ist er nicht! Doch dieses Bild löste großen Wirbel aus. Es zeigt nämlich einen anderen Bären, der Fotograf aber verkaufte es als das "letzte Bild vom lebenden Bruno". Tage später kam der Irrtum heraus.
  • Aber das ist er: Bruno in voller Pracht...
  • ...lebendig und auf freier Flur in den  oberbayerischen Bergen.
  • Um den streunenden Bären einzufangen, wurde eine Spezial-Falle nach Bayern geholt.
  • ...auch finnische Elchhunde und Experten wurden ins Land geholt. Ihnen allen schlug Bruno ein Schnippchen.
  • Nach seinem Tod trauerten Bruno-Anhänger auf dem Münchner Marienplatz um den Bären.
  • Auf diese Skulptur zog der Präparator Brunos Fell.
  • Für seinen letzten Auftritt im Museum wird Bruno gestylt...
  • ...gekämmt und geföhnt.
  • Um die Pose, in der der tote Bruno dargestellt wird, wurde viel spekuliert. Das Ergebnis: Der Präparator machte einen Honigdieb aus dem Bären...
  • ...dem die Bienen noch ums Maul schwirren.
  • ...und der aussieht, als ob er bei seiner Tat ertappt wurde.
  • So aber wurde ein Mittelweg gefunden - Skeptiker hatten Angst, Bruno würde in einer furchterregenden Raubtierpose dargestellt.
  • Die Szene ist dabei völlig fiktiv.
  • Zwar riss der Braunbär in Bayern mehrere Schafe...
  • ...dass er aber auch einen Bienenstock ausraubte, ist der Phantasie der Präparatoren entstanden.
  • So aber entwickelt sich der Bär zu einem Publikumsliebling, vor dem auch Kinder keine Angst haben müssen.
  • Besucherandrang beim ausgestopften Bruno im Museum.
  • Michael Appel, Leiter im Museum Mensch&Natur, kann deshalb froh sein, dass er Bruno bekommen hat. Verschiedene Museen hatten sich um die Trophäe beworben - auch die Einrichtung von Ex-Skistar Markus Wasmeier in Schliersee.
  • Bruno im Porträt.
  • Die Zeitungsausschnitte über Bruno im Museum Mensch&Natur.

vor

Der neue Bär tauchte nicht in der Nähe von Siedlungen auf, er tötete weder Schafe noch wühlte er an Häusern im Müll oder plünderte Bienenstöcke - kein "Problembär" also. MJ4 wäre auch größer als der damals zweijährige halbwüchsige Bruno: Er ist bereits vier Jahre alt.
"Die Fährten des Bären sind dokumentiert - aber es gibt kein Foto", berichtet Bayerns Bärenbeauftragter Manfred Wölfl. "Es war auch keine genetische Identifizierung möglich, weil man weder Haare noch Losung gefunden hat." Allerdings spricht einiges für MJ4. Denn im ganzen Alpenraum sind nur wenige männliche junge Bären auf Wanderschaft - auf der Suche nach einem eigenen Revier und auch einem Weibchen. "Es gibt nicht so viele Bären, die aus dem Trentino abgewandert sind", erläutert Wölfl. Von dort war MJ4 zunächst in die Schweiz gezogen, wo er den vorangegangenen Winter verbrachte.

Aus Österreich selbst kann der Bär kaum stammen: In den nördlichen Kalkalpen Österreichs leben nur zwei bis drei Bären, die aber nicht auf Wanderschaft sind: Der aus Slowenien zugewanderte Djuro und Sohn Moritz, vielleicht noch eine Bärin namens Elsa, die aber seit 2007 genetisch nicht mehr nachgewiesen wurde, wie die Sprecherin des WWF Deutschland, Astrid Deilmann, sagt. "Keine Kotspuren, keine Bissspuren - und keine ausgetrunkenen Kanister mit Rapsöl, das Bären gerne trinken." Dabei wurden seit 1989 in Österreich rund 30 Jungtiere geboren. Bis auf Moritz und Djuro seien aber alle wie vom Erdboden verschluckt, sagt Deilmann. Vor gut einem Jahr habe die Polizei dann ein illegal geschossenes Weibchen ausgestopft im Keller eines gestorbenen Jägers entdeckt - Beleg für die vermutete Wilderei.

Auch bei Brunos Bruder JJ2 - Nachwuchs von Jose und Jurka - gab es Gerüchte, er sei Wilderern zum Opfer gefallen. Seine Spur verlor sich 2005 in der Schweiz. JJ3 wurde im vergangenen Jahr in Graubünden abgeschossen - auch er war allzu dreist in bewohntes Gebiet gekommen. Grund war die "schlechte" Erziehung durch Mutter Jurka: Sie lehrte die kleinen Bären, wie man Hühnerställe plündert und Schafe reißt, ohne erwischt zu werden. Jurkas Trick: Sie kam nie an den Ort ihrer Taten zurück. Nunmehr leben von Brunos Geschwistern nur noch der nicht ganz so "missratene" JJ5, der an der Grenze von Trentino und Lombardei nur manchmal ein Schaf anfällt, und die unauffällige Schwester JJ4. Mit Jurka, im Zuge des EU-Projekts "Life Ursus" angesiedelt, wurde es den Behörden inzwischen zu bunt. Als sie samt Nachwuchs auf Skipisten auftauchte und sich von Urlaubern fotografieren ließ, wurde sie gefangen und in ein Gehege gebracht.

Bruno hingegen entkam seinen Verfolgern immer wieder. Er schien die Behörden regelrecht an der Nase herumzuführen. In aller Ruhe rastete er etwa im Ferienort Kochel vor einer Polizeiwache - um sich aus dem Staub zu machen, bevor die extra eingeflogenen finnischen Bärenjäger anrückten. Es gab Solidaritäts-T-Shirts mit der Aufschrift "Mich kriegt ihr nie" oder "JJ Guevara". Nach wochenlangen Fangversuchen wurde Bruno erschossen. Unterdessen lebt der Bär unter anderem im Internetspiel "Brunos Rache" weiter: Dort kippt ein Bär von seiner Wolke im Himmel klebrigen Honig über Jäger, Polizisten und Ministeriale.
Im März oder April, je nach Wetter, wachen die Bären aus ihrem Winterschlaf auf. Dann wird auch der unbekannte Bär in Österreich weiterwandern. Ob er nach Bayern kommt, ist offen.

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