Bub beim Spielen in Sandhöhle verschüttet

Neunjähriger gerettet

Bub beim Spielen in Sandhöhle verschüttet

729.10.08|BayernFacebook
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Tuntenhausen - Es war der siebte Sinn eines Familienvaters, der dem kleinen Leif (9) aus Tuntenhausen (Kreis Rosenheim) vermutlich das Leben gerettet hat. In letzter Sekunde zog Franz Reil (49) den Buben aus einer eingestürzten Sandhöhle.

Als ihm sein Sohn Benedikt von einer Höhle erzählte, die der Bub zusammen mit anderen Kindern gebaut hatte, beschlich Franz Reil ein mulmiges Gefühl. Der Zimmerermeister hatte sich am Sonntagnachmittag von den Kindern zu dem „Bauwerk“ im ehemaligen Steinbruch führen lassen. Er war überhaupt nicht begeistert von dem, was er dort sah. „Viel zu gefährlich, geht da ja nicht mehr rein“, redete er den kleinen Höhlenbauern – fünf Buben und ein Mädchen im Alter von neun bis 13 Jahren – ins Gewissen.

Als sich der 49-Jährige noch das nahegelegene „Lager“ anschauen wollte, von dem sein zehnjähriger Sohn ebenfalls erzählt hatte, passierte es: Mit einem dumpfen Knall brach ein großer Teil der Deckenhöhle herunter – und ein Kind fehlte: Leif. Er musste noch drin sein, begraben unter der rund 70 Zentimeter hohen Sandschicht. Wo soeben noch ein 80 mal 80 Zentimeter großes Loch in einen Hohlraum von mehreren Kubikmetern geführt hatte, lag jetzt eine dicke Schicht aus Schweißsand. Offenbar konnte sich der Neunjährige unter dieser Last weder bewegen noch nach Hilfe rufen.

Während Reil und die Kinder nach Kräften gruben, gab der Bub kein Lebenszeichen von sich. Zwei bis drei Minuten, so schätzt er, grub er mit bloßen Händen nach dem verschütteten Buben. Wo der 49-Jährige wegen seiner Körpergröße nicht hinkam, waren ihm die Kinder eine wertvolle Hilfe: Sie zwängten sich durch das nach dem Einsturz winzige Höhlenloch und buddelten im Inneren des ehemaligen Fuchsbaus nach ihrem Freund. Auch ihnen war klar: Jede Sekunde zählt. Umso größer war die Erleichterung, als nach bangen Momenten ein Arm des Buben zum Vorschein kam. Wenige Sekunden später war Leif gerettet. Hätten die Kinder Hilfe holen müssen, wären wohl mindestens 20 Minuten verstrichen. „Ich glaube nicht, dass der Bub so lange durchgehalten hätte“, vermutet Reil, der heilfroh ist, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Mit leichten Verletzungen und einem Schock kam Leif ins Krankenhaus.

Aber es hätte viel schlimmer enden können, das wissen auch die alarmierten Feuerwehrler aus Tuntenhausen, Beyharting und Ostermünchen, die schon wenige Minuten später am Ort der Fast-Tragödie eintrafen. „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Mann nicht vor Ort gewesen wäre“, so Kreisbrandinspektor Klaus Hengstberger.

Ludwig Simeth

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